Wer blind geboren ist, wird kaum Verlangen nach jener Form der Kunst haben, die den Namen „Lichtspiel“ nicht zu Unrecht trägt und bei der das Akustische nur stützende Funktion hat. Ihm wird das Hörspiel etwas bieten, überhaupt der Funk, nicht der Film.

Wenn man (zum Beispiel in Hamburg) dennoch jetzt Filmvorführungen für Blinde veranstaltet, so will man vor allem diejenigen erfreuen, die ihr Augenlicht erst zu einem Zeitpunkt verloren halben, wo sie schon Filme hatten sehen können, und für die daher der Besuch des Kinos wehmütig-liebe Erinnerungen weckt.

Diese Erblindeten sind, wie die Praxis zeigt, dankbar für solche Hilfe. Nur müßte bei der Auswahl der Filme ein gewisses Maß von Takt walten. Das lehrte die Bestürzung der blinden Filmbesucher, in deren Gegenwart man „Die Sünderin“ laufen ließ – einen Film, in dem sich der Mann, um den es geht, das Leben nimmt, als ihm Erblindung bevorsteht.

Hier wirkte sich unbedachte Mildtätigkeit als Grausamkeit aus. L.