Für die vor kurzer Zeit zu 98 v. H. aufgelegte und unmittelbar untergebrachte 6 1/2 prozentige Rhenag-Wandelanleihe von 1951 besteht bereits Nachirage ber einem Kurs von 99 v. H. Das ist ein Zeichen dafür, daß der Typ der Wandelanleihe im Publikum und anderen Großanlegerkreisen einen bemerkenswerten Anklang gefunden hat. Deshalb ist es. kaum verwunderlich, wenn nun auch andere Institutionen (darunter sogar das Bundesfinanzministerium) die Ausgabe von Anleihen planen, die mit der Substanz eng verknüpft sein sollen, um Geldentwertungen vorzubeugen. Ohne Zweifel ist dies ein Weg, um die Abneigung gegen Rentenwerte zu überwinden.

Entscheidend für den Erfolg oder Mißerfolg aller künftigen Anleihen dieses Typs wird aber die Behandlung der 4 1/2 prozentigen Harpener Bonds von 1935 sein. Wenn es sich bei diesen auch nicht um Stücke mit Umtauschrecht handelt, so lassen doch die Zusatzrechte, mit denen die Bonds ausgestattet wurden (vom Gewinn abhängige Zusatzverzinsung, Einlösung ausgeloster Stücke zum Aktienkurs und Liquidationsvorrecht), keinen Zweifel an der Substanzverbundenheit. Das Publikum glaubte angesichts der Rechtsprechung zur Währungssanierung von 1924, es handele sich bei den Harpener Bonds um entwertungssichere Substanzerechte. Folgt man nun den Vorschlägen der Harpener Bergbau AG, die anfangs die Bonds im Verhältnis 10:1 einlösen wollte und neuerdings eine 2:l-Quote in Erwägung zieht, so wird das Vertrauen in alle substanzgesicherten Anleihen schwer erschüttert. Es dürfte bereits feststehen, daß sich die Bondsinhaber nicht mit einem 2:1-Umtausch in 6 1/2prozentige DM-Obligationen ohne weitere Rechte, also unter Beseitigung der Substanzsicherung, zufrieden geben, auch wenn in den Kommentaren zum DM-Bilanzgesetz unterschiedliche Auffassungen über die Frage der Umstellung zum Ausdruck kommen. Die Inhaber der Harpener Bonds weisen darauf hin, daß die Neufestsetzung des Aktienkapitals der Harpener Bergbau AG besser als 1:1 (Börsenkurs etwa 140 v. H.) ausfallen wird, so daß ihnen nicht zugemutet werden könnte, sich mit der Hälfte des Nominalbetrages zufrieden zu geben, während die in den Bonds enthaltenen Rechte einen erheblich höheren Wert verkörperten.

Im Interesse der Bemühungen, das Vertrauen in den Kapitalmarkt durch die Emission von Wandelanleihen wiederherzustellen, sollte alles unternommen werden, eine gerichtliche Auseinandersetzung in dieser Frage zu vermeiden, die den Absatz neuer Wandelschuldverschreibungen empfindlich stören, wenn nicht sogar unterbinden wird. Es ist deshalb zu wünschen, daß das 2:1-Umtauschangebot nicht das letzte Wort der Gesellschaft darstellt. Es ist aber notwendig – und darauf weisen besonders die Banken hin –, daß bei allen künftigen Wandelanleihen völlige Klarheit über die Auslegung der propagierten Sicherung geschaffen wird. Es darf keine Meinungsverschiedenheiten mehr darüber geben, in welchem Ausmaß ein Obligationär berechtigt ist, jetzt oder in Zukunft seine Obligationen umzutauschen. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn nicht nur von den Ausstellern, sondern auch von den zuständigen behördlichen Instanzen festgestellt wird, daß die quantitativen Umtauschrechte von Wandelanleihen über alle Währungsveränderungen hinaus bestehenbleiben.