Von G. P. Klimow

In den nächsten Tagen wird der Tatsachenbericht Klimows, den die „Zeit“ heute abschließt, im Kiepenheuer-Verlag unter dem Titel „Berliner Kreml“ als Buch erscheinen: zweifellos eine der bedeutsamsten Veröffentlichungen über die Methoden der sowjetischen Deutschland-Politik. Die „Zeit“ hat Klimows Bericht in Auszügen gedruckt; das Buch wird über das menschliche Schicksal seines Autors noch mehr aussagen, der diesmal das in der vorigen Ausgabe begonnene Porträt einer Sowjetagentin beendet und die Vorbereitungen seiner Flucht schildert, der Flucht in die Freiheit.

Eines Abends kam Lisa unter irgendeinem Vorwand zu mir. In Karlshorst war es üblich, Bekannte ohne besondere Einladungen zu besuchen. Nachdem sie sich in den Zimmern umgesehen hatte, machte Lisa es sich ungeniert auf der Couch bequem und erklärte: „Gregory Petrowitsch, Sie sind ein schlechter Kavalier. Und zudem noch ein Geizkragen.“

Als Antwort auf meinen fragenden Blick zog sie die Füße auf die Couch und befahl: „Holen Sie mal aus dem Schränkchen dort eine Flasche Wein und fühlen wir uns wie zu Hause.“

„Ich fühle mich auch so wie zu Hause“, bemerkte ich.

„Seien Sie nicht so abscheulich“, schnurrte Lisa wie eine Katze. „Ich fahre bald fort. Obwohl ich Sie nicht ausstehen kann, möchte ich doch gerne mit Ihnen Abschied feiern.“

Wenn man von den weiblichen Reizen Lisas sprechen soll, muß man zugeben, daß das Anziehendste an ihr ihre weltstädtische Art, ihre vielseitige Bildung und die Kultiviertheit im Verein mit einer unübertrefflichen Vulgarität ist. Eine solche Mischung zieht allein durch ihre Einmaligkeit unwillkürlich an.