Noch im Frühjahr 1950 bedurfte es sehr handfester Argumente des deutschen Außenhandels, um die eigenen Regierungsstellen davon zu überzeugen, daß die Aufrechterhaltung der Dollar-Klausel im Geschäft mit dem Sterling-Block sich nachteilig auf die Entwicklung des deutschen Exports auswirken müßte. Heute gibt es wohl niemanden mehr, der der Dollar-Klausel eine Träne nachweint. Besonders die am Handel mit Afrika beteiligten Wirtschaftskreise haben den im Herbst 1950 mit Großbritannien geschlossenen Handelsvertrag begrüßt, weil mit ihm die Dollar-Klausel fortfiel, und damit auch die in den abhängigen Gebieten so einschneidenden Lizenzschwierigkeiten für deutsche Waren ihr Ende fanden. Deutsche Waren konnten jetzt genau so wie Waren anderer Weichwährungsländer auf Grund allgemeiner offener Lizenzen importiert werden. Demgegenüber hält Frankreich als OEEC-Land für seine abhängigen Gebiete bis heute an dem protektionistischen System der Importkontingentierung fest und schränkt die Exportmöglichkeiten nach den französischen Überseeländern durch handelsvertragliche Wertgrenzen einerseits und ein kompliziertes Ausschreibungsverfahren andererseits ein.

Die Sterling-Gebiete Afrikas sind nicht nur bedeutende Rohstoffländer, sondern zugleich auch wichtige Absatzmärkte, von denen in jüngster Zeit vor allem die Goldküste und Nigeria in den Vordergrund traten. Die politische Tendenz der Verselbständigung läuft parallel mit Bestrebungen, die wirtschaftliche Basis zu verbreitern. Es lassen sich Ansätze zu einer intensiveren Wirtschaft erkennen, was für den europäischen Exporteur die Aussicht auf eine Erweiterung seines Liefersortiments bedeutet. Waren bis zum Kriege die westafrikanischen Länder fast nur Konsumgütermärkte, so gewinnen sie jetzt im Zuge der Mechanisierung der Landwirtschaft, der Steigerung des Verkehrs und der Förderung junger Industrien Bedeutung als Investitionsgütermärkte. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres war der Wert des deutschen Exports nach der Goldküste und Nigeria mit 25,5 Mill. DM höher als der Gesamtwert unserer Ausfuhr nach allen französischen Gebieten Afrikas, einschl. Algeriens. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren haben die Afrikaner trotz der Bewirtschaftung und Preisregulierung ihrer Produkte – Kakao, Erdnüsse, Palmkerne, Palmöl – durch die sogenannten „marketing boards“ gut verdient, so daß sich bereits inflatorische Erscheinungen zeigen, die den Kolonialregierungen Sorgen verursachen. Der Handel dagegen ist mehr besorgt hinsichtlich der Überstockung dieser Märkte mit Warenlagern, die aus spekulativen Käufen stammen. Ein klares Bild läßt sich aber nur gewinnen, wenn man im Lande selbst mit einer eigenen Niederlassung vertreten ist. Gerade für Westafrika ist die baldige Wiederzulassung deutscher Handelshäuser notwendig. Denn von den Handelsniederlassungen werden bekanntlich nicht nur Waren importiert; sie sind auch Aufkäufer und Verlader der Landesprodukte, sie bieten die Basis für das technische Geschäft mit Ersatzteillägern und „Service“ und schaffen der deutschen Schiffahrt das erforderliche Ladungsangebot.

Was für Westafrika gilt, trifft auch für die britischen Länder Ostafrikas, Kenya, Uganda und Tanganyika zu. In diesen Kolonien besteht volle Zollgleichheit. Das ist früher bereits ein Anreiz gewesen, sich diesen Märkten zuzuwenden und dürfte es heute wiederum sein. Noch unbefriedigend ist unser Handel mit den britischen zentralafrikanischen Ländern. Neben Nordrhodesien und Nyassaland hat vor allem Südrhodesien eine auffallende Entwicklung genommen.

Wichtigster Sterling-Markt Afrikas ist und bleibt die Südafrikanische Union; ein Land, das uns als erstes die Vorteile eines Weichwährungslandes im Rahmen seiner Importbewirtschaftung verschaffte, uns als erster Commonwealth-Staat die Meistbegünstigung einräumte und in der Behandlung deutscher Vermögenswerte vorbildlich ist, darf erwarten, daß dieses Verständnis mit dem gleichen Verständnis für südafrikanische Erfordernisse beantwortet wird. Ein Tropfen südafrikanischen Weines wirft unseren Weinbau nicht um, dürfte aber dazu beitragen, in das handelspolitische Gespräch eine freundliche Note zu bringen, was für die künftige Entwicklung unseres Südafrikageschäftes nur von Nutzen sein kann. Dr. Günther Jantzen