Von A. Menne

Die chemische Industrie Deutschlands hat in der Gesamtbilanz des deutschen Außenhandels seit jeher eine führende Rolle gespielt. Bis zum zweiten Weltkrieg stand sie unter allen deutschen Industrien mit ihrem Auslandsabsatz an erster Stelle. Ihr Exportanteil an der Gesamtausfuhr des Reiches betrug bis 1914 etwa 10 v. H. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen stieg dieser Anteil dann bis auf 17 v. H. Die Folgen des Zusammenbruches 1945 haben aber die chemische Industrie stärker getroffen als andere deutsche Wirtschaftszweige. Sie konnte darum nur allmählich wieder am Weltmarkt Fuß fassen. Heute ist der Exportanteil der Chemie erneut auf etwa 15 v. H. angestiegen und damit der normalen Ausfuhr in Friedenszeiten wieder nahegekommen. Bei dieser Exportsteigerung muß man allerdings berücksichtigen, daß sich der Chemieanteil auf das wesentlich kleinere Gebiet der westdeutschen Bundesrepublik bezieht und sich hier. das Produktionsprogramm der verschiedenen Grundstoffe (Schwefelsäure, Stickstoff, Chlor, Ätznatron, Soda u. ä.) erheblich gewandelt hat.

Die Gesamtausfuhr der chemischen Industrie erreichte 1950 einen Wert von 1,1 Mrd. DM = 257 Mill. $ und übertraf damit das Ergebnis des Vorjahres um das Dreifache. Die durch den Koreakonflikt ausgelöste Bevorratung und Umstellung der Produktion in den Staaten des Atlantikpaktes hat die Zunahme des westdeutschen Chemieexportes zweifellos wesentlich gefördert. Diese Entwicklung hat auch im laufenden Jahr angehalten: In den ersten sieben Monaten belief sich die Chemieausfuhr auf 1,217 Mrd. DM und hat also das Gesamtergebnis für 1950 bereits übertroffen. Mit einem Anteil von 15,5 v. H. an der Gesamtausfuhr ist somit der Ausfuhranteil in den letzten Vorkriegsjahren fast wieder erreicht worden. Allerdings ist diese Exportzunahme mehr eine Auswirkung der gestiegenen Weltmarktpreise; in der Menge ist der Chemieexport der Vorkriegszeit heute noch nicht wieder geschafftworden.

Die ansteigende Kurve scheint allerdings jetzt ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Neben der angespannten Devisenlage macht sich besonders die unzulängliche Kohleversorgung nachteilig bemerkbar. Es muß in diesem Zusammenhang erneut darauf hingewiesen werden, daß Kohle in der Chemiewirtschaft nicht nur als Energiequelle, sondern weitgehend auch als Rohstoff und Ausgangsprodukt für viele chemische Erzeugnisse gebraucht wird. Die Überwindung der Kohlenkrise ist zu einem Hauptproblem für die chemische Industrie geworden, denn die Entwicklung und Produktion hochwertiger Erzeugnisse, von denen Wettbewerbsfähigkeit und Auslandsgeschäft der deutschen Chemiewirtschaft weitgehend abhängig sind, sind ohne diesen wichtigen Roh- und Hilfsstoff nicht weiter voranzutreiben. Dabei darf andererseits auch keine Benachteiligung der Erzeugung von Grundstoffen und Zwischenprodukten eintreten. Rund 85 v. H. des gesamten Chemieexportes werden von organischen und anorganischen Grundstoffen, Düngemitteln, Zwischenprodukten sowie von den wichtigsten Veredelungsprodukten wie Pharmazeutika, Teerfarben, Kunststoffen, Chemiefasern und photochemischen Erzeugnissen bestritten.

Die inzwischen eingetretenen Erleichterungen auf dem Gebiet der chemischen Forschung und in der Wiederaufnahme bisher nicht erlaubter Produktionen dürfte es ermöglichen, den sehr erheblichen Vorsprung des Auslandes speziell auf den Gebieten der Großsynthesen wieder in gewissem Umfange einzuholen. Hier liegen die Möglichkeiten für die westdeutsche Chemiewirtschaft, den Auslandsabsatz hochwertiger Veredelungsprodukte noch zu erweitern. Gerade unsere von jeher exportintensive chemische Industrie kann und muß dazu beitragen, nach Ablauf der Marshall-Plan-Hilfe den deutschen Lebensstandard durch ein möglichst großes Devisenaufkommen zu sichern und damit die Abhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft von ausländischen Zufuhren für Ernährung, Bekleidung und Rohstoffversorgung auf ein Mindestmaß zu beschränken. Eine weltwirtschaftliche Arbeitsteilung auf dem Chemiegebiet bleibt unentbehrlich. Die Chemie als Ganzes genommen, hat Aufgaben zu erfüllen, an denen die Gesamtheit aller vorhandenen Chemieunternehmen Jahrzehnte hinaus voll arbeiten kann. Gerade die Chemie dient in besonderem Maße dazu, das Versagen natürlicher Hilfsquellen zu ergänzen und damit den Weltwohlstand zu fördern.

At all times Western Germany’s Chemical industry played a leading role in the total volume of German foreign trade. Between the two world wars its Aare in total exports rote up to 17 percent The consequences of the collapse were eben much heavier for the chemical industry than for other economic branches. Only very slowly could it establish – itself again in the world market. Today its share in total exports has reached 15 percent. About 85 percent of all the exports of chemical producta are organic and anorganic basic materials, fertilizers, semi-finished products and the most important processed products such as pharmaceutical produets, coal-tar colors, plastica synthetic fibers and photochemical products,

The relaxations granted in the field of chemical research work and of the resumption of the production of goods prohibited to date might make it possible to make up to a certain extern for the very considerable lead of foreign countries, especially in the field of huge syntheses.