Der gesamte Pferdeschmuggel von Zullkowitz soll auf den Alten Fritz zurückgehen. Freilich gibt es Leute, die davon nichts wissen wollen. Es sind alte gebrechliche, aber auch junge vorwitzige Leute. Natürlich ist es nicht etwa so, als ob der Alte Fritz selber mit Pferden geschmuggelt hätte; das hat er sicherlich nicht nötig gehabt. – Doch gehen über seine Persönlichkeit allerhand Sachen von Mund zu Mund, demnach er zum Segen der kleinen Leute die Kartoffeln erfunden haben soll, zum Unsegen der Wiener Kaiserin dagegen leider auch die Grenze bei Zulkowitz. Die Kaiserin wäre damals sehr betrübt gewesen und hätte weinend ausgerufen, daß dieser böse Mann ihr den schlesischen Garten genommen und nur den Zaun gelassen habe.

Mit solchen Geschichten hatte der Gemeindevorsteher Migho aus Zulkowitz seine patriotische Fresse immerwährend angefüllt, als verbreite er auf diese Weise in weitem Umkreis irgendeine Kultur, so daß die Leute tuschelten, beim Gemeindevorsteher Migho im Stall verstünden sogar dessen Kühe die Sprache des Alten Fritzen, Der Alte Fritz ist schon lange tot, er kann sich also schlecht gegen all das wehren, was der Migho ihm da in die Schuhe oder aus den Schuhen schob. –

Diese Grenze jedenfalls mit ihren Pfählen, Zollschranken, Verbotstafeln samt kreuz und quer bepinselten Wächterbuden, war also seit dem Alten Fritzen bei Zulkowitz im Betrieb. Ihre Wächter hatten die Hände voll zu tun, an den dämlichen Zollschranken herumzuspielen, das Zeug hochzuziehen oder herabzulassen, manchmal den kleinen Leuten direkt auf den Kopf, die hüben wie auch drüben die gleiche schlesische Sprache kauderwelschten, ein „Haudibaudi“, wie man es kennzeichnete, wenn vielleicht provinziell nicht gerade so kultiviert, wie der großfressige Herr Gemeindevorsteher Migho. Obwohl der Migho fortwährend von Korrektheit redete, infolge seines Amtes als Gemeindevorsteher von Zulkowitz, schmuggelte er dann und wann auch etwas über diese Grenze, insbesondere Vieh in seinen Stall. Ansonsten fand Migho diese Zustände gänzlich in der Ordnung, die es ihm außerdem gestatteten, mit deren Hütern Skat zu spielen.

Hochwürden, der Herr Pfarrer, war zwar nicht ganz seiner Ansicht, trotzdem spielten sie gemeinsam samt den Grenzwächtern im Dorfkrug von Zulkowitz regelmäßig Skat. Und der Migho hieß gar nicht Migho, sondern Adolf Roßdeutscher. Migho war nur sein Spitzname und bedeutete etwa soviel wie: „Gib ihm Saures“, weil er beim Ausspielen seiner Trümpfe stets auf den Tisch zu hauen und temperamentvoll auszurufen pflegte: „Migho“.

Hochwürden war gegen derart schneidige Begriffe, aber jederzeit bereit, dem Migho in der Beichte alles zu vergeben, wenn Migho nur inständigst bereute. Und der Migho bereute jedesmal inständigst, um Hochwürden beim nächsten Skat von neuem hereinzulegen. Eines Tages nach dem Skat sprach Hochwürden zu Migho: „Hör mal zu, Migho, du bist doch ein schneidiger Mann. Es handelt sich um meinen braunen Wallach. Pintula, mein Knecht, liegt mir schon dauernd in den Ohren. Mein guter Wallach ist schon altersschwach, er gehört eigentlich zum Schinder. Was ich zum Pflügen und Eggen meines Ackers, zum Jauche- und Mistfahren benötige, ist einjunges Pferd.“ „Wenn es nicht mehr ist, Hochwürden“, erwiderte Migho, „so will ich mal sehen, was sich machen läßt.“ „Das würde mich aber freuen“, erwiderte Hochwürden, und beide verabschiedeten, sich für die Nacht.

Auf dem Heimwege rieb sich Migho vergnügt die Hände. Er überdachte die winkende Gelegenheit und war außerdem stolz, daß Hochwürden ihn einen schneidigen Mann genannt. Migho wollte Hochwürden also zeigen, was die Schlacht bei Roßbach war. Im Bett und während der übrigen Nacht überlegte er hin und her. Am anderen Morgen begab er sich in die Kirche, wälzte hier das Geschäft im Kopfe herum, anstatt zu beten, indes Hochwürden die Messe las.

Nach der Andacht beim Verlassen der Kirche sprach er Hochwürden an. „Es handelt sich um die Angelegenheit mit dem Wallach“, redete der Migho, und Hochwürden nickte huldvollst. Pintula, der Knecht, wurde herbeigerufen, trieb das Pferd aus dem Pfarrstall in Mighos Bauernhof, wo man es vor den Kastenwagen spannte. Migho ratterte in Gottes Namen alsbald los, in Richtung der Kreisstadt durch den Wald, zum Schinder. Er habe sowieso mit dem Herrn Landrat einiges dienstlich zu erledigen; als Gemeindevorsteher von Zulkowitz, der mit dem Herrn Landrat in der Sprache des Alten Fritzen zu reden verstand. An der Straßenkreuzung im Walde jedoch bog Migho vom nördlichen preußischen Wege ab, linker Hand gen Süden, ins österreichische hinein, wo Grenzposten beider Schattierungen, die ja seine alten Skatbrüder waren, lässig abwinkten, indes sie seine Geschäfte gut kannten und er also ihre Grenze unbehelligt passierte.