Auf einer der letzten Technischen Messen in Hannover fand man in einer der großen Werkzeugmaschinenhallen, etwa im Schatten der eindrucksvollen Parade riesiger Drehbänke, Fräswerke und Bohrmaschinen, auch einen Maschinenzwerg, der in endloser Folge versilberten Draht in blitzende Schmuckketten verwandelte. Dieser von einer Pforzheimer Maschinenfabrik, vor-, geführte Kettenautomat sah höchst einfach aus. Aber obwohl auch seine Patente nach Ende des Krieges vogelfrei waren, sind, wie man erfuhr, die im Auslande unternommenen Versuche, den Automaten zu kopieren, ziemlich ergebnislos geblieben. Die Firma stößt damit auf keine wesentliche Konkurrenz, freilich nicht allein aus technischen Gründen. Denn diese Maschinen lassen sich nur dann zu einem erträglichen Preise herstellen, wenn in den Absatz von vornherein auch der Weltmarkt einbezogen werden kann. Kein europäisches Land ist groß genug, um auf seinem Binnenmarkt allein für solche Kettenautomaten ausreichende Absatzmöglichkeiten zu bieten. Deutschland nahm im Vorjahr von der Gesamterzeugung dieser Pforzheimer Firma lediglich 11,5 v. H. auf; 88,5 v. H. gingen in den Export, Diese Kettenmaschinen sind jedoch nur eine jener in Deutschland besonders zahlreich vertretenen Maschinenarten, deren Markt zum weitaus größten Teil außerhalb der eigenen Landesgrenzen liegt. Hier zeigt sich, daß es im Maschinenbau vielerlei Ansätze für eine internationale Arbeitsteilung. gibt – eine Arbeitsteilung, die dem Maschinenverbraucher ein reichlicheres und billi-, geres Angebot sichert, als wenn er nur die eigene Maschinenindustrie in Anspruch nehmen könnte.

Daß es einmal viele Maschinenfabriken gab, die bauten, was gerade verlangt wurde – vom Pflug bis zur Dampfmaschine –, das ist schon lange her, jedenfalls in Deutschland. Spezialisierung hieß auch in der Maschinenindustrie das Gesetz des Fortschritts. Die immer strengere Beschränkung auf eine ganz bestimmte Fachrichtung, auf eine einzige Maschinenart oder Type ist noch in vollem Fluß. Unter den völlig anomalen Verhältnissen der ersten Nachkriegsjahre sind wohl viele Maschinenfabriken notgedrungen vorübergehend wieder solche „Warenhäuser“ geworden. Aber es wußte manche Firma des Werkzeugmaschinenbaus nach Kriegsende 2 1/2 Jahre lang nicht, ob der auf der Demontageliste verzeichnete Betrieb weiter arbeiten durfte, und es blieb nichts anderes übrig als die Improvisation. Man baute die verschiedensten Arten von Holzbearbeitungsmaschinen, von der Holzdrehbank über Abricht- und Dicktenhobelmaschine bis zur Tankholzhackmaschine, wie sie damals für die mit Holzgasgeneratoren betriebenen Automobile gebraucht wurde. Auch Ersatzteile für Textilmaschinen und manches andere wurden in jenen demontagebedrohten Werkzeugmaschinenfabriken hergestellt. Wie in alten Zeiten!

Aber das alles ist ja Gott sei Dank wieder Vergangenheit geworden, und unmittelbar nach der Währungsreform hat man wieder dort angeknüpft, wo die frühere Entwicklung unterbrochen war. Fertigungslücken, wie sie etwa in der Büromaschinenindustrie, bei Druck- und Papiermaschinen, Textilmaschinen oder auch – nach Lockerung der Produktionsverbote – bei Werkzeugmaschinen bestanden, wurden weitgehend durch Fabrikanten wieder ausgefüllt, die ihre in der Sowjetzone gelegenen Betriebe durch Demontage oder Enteignung verloren hatten. Um den nun wieder erreichten hohen Spezialisierungsgrad aufrechterhalten zu können, fehlte aber noch der Zugang zum Auslandsmarkt. Nur seine Einbeziehung ermöglichte auch vor dem Kriege erst jenes System von Spezialfertigungen, das der Maschinenindustrie ihr Gepräge gibt. Dieses System verlangt heute trotz der Größe des deutschen Nachholbedarfs einen weiteren Markt- als das durch die Ost-West-Trennung halbierte Deutschland. Außerdem verhinderte der Mangel an Investitionskapital eine wirksame Nachfrage in Westdeutschland. Die Teilung Deutschlands hatte bei einigen Fachzweigen auch eine Ungleichheit zwischen Produktionskapazität und Aufnahmefähigkeit des Marktes bewirkt, die zu einer Verschärfung der Konkurrenz beitrug. Nun hieß es, an die Güte der Erzeugnisse noch strengere Maßstäbe anzulegen, um im Wettbewerb bestehen und die Beschäftigung halten zu können. Dieser Konkurrenzdruck hat entscheidend dazu beigetragen, auch die letzten noch aus der Demontagezeit verbliebenen Mängel und Rückständigkeiten zu beseitigen und das Streben nach Fortschritt mächtig zu beflügeln; Als die Außenhandelsliberalisierung endlich auch der deutschen Maschinenindustrie den Weg zu den Auslandsmärkten frei machte, konnte sie ein Angebot präsentieren, das in seiner Vielseitigkeit und Qualität jedem internationalen Vergleich gewachsen war.

Das traditionelle Vertrauen des Auslandes in die Güte der deutschen Maschinen wurde nicht enttäuscht. Die Auslandsnachfrage schnellte daher seit 1949 sprunghaft aufwärts, so daß die Bestellungen den Lieferungen weit vorauseilten. Hatte die Maschinenproduktion 1949 einen Wert von 4 Mrd. DM erreicht und war innerhalb eines Jahres nochmals um 1 Mrd. DM angestiegen, so erhöhte sich in der gleichen Zeit die Exportquote von 10 auf 26 v. H. Der größte Teil des Auslandsabsatzes ging und geht auch heute noch in die europäischen Marshall-Plan-Länder, nicht nur infolge der Liberalisierung, sondern auch weil die meisten dieser Länder über eine reichgegliederte Industrie verfügen, aus der ein vielfältiger Maschinenbedarf erwächst. Keineswegs sind ja nur Länder im ausgesprochenen Industrialisierungsstadium für Maschineneinfuhren aufnahmebereit.

Vor dem Kriege war das neben Deutschland bedeutendste europäische Maschinenbauland Großbritannien der beste Kunde der deutschen Maschinenindustrie. Die Lieferbeziehungen zwischen zwei Ländern mit starker Maschinenindustrie unterscheiden sich allerdings qualitativ von anderen Partnerschaften, da sich das gegenseitige Einfuhrinteresse stärker als sonst auf Spezialitäten erstreckt. Ebenso umfaßt es natürlich auch solche Erzeugnisse, die der eigenen Produktion technisch überlegen sind. Auch die höchste Leistungsfähigkeit einer Maschinenindustrie schließt ja nicht aus, daß ein Konkurrenzland durch neue Erfindungen oder besondere Produktionserfahrungen wenigstens vorübergehend in einzelnen Maschinenarten einen gewissen Vorsprung erreicht. Die gegenseitiger Ergänzungsmöglichkeiten in der Maschinenversorgung der Industrieländer sind jedenfalls bedeutend größer, als den Protektionisten lieb ist die immer noch darauf bedacht sind, den internationalen Wettbewerb durch Schutzzölle und Einfuhrkontingentierung über Gebühr einzuengen. Aus der Exportpraxis unserer Maschinenindustrie lassen sich viele Beispiele für die Diskrepanz zwischen ausländischer Nachfrage und den dafür zur Verfügung stehenden Einfuhrkontingenten nennen. So konnte vor kurzem ein italienischer Auftrag für Textilmaschinen in Werte von über 1/2 Mill. $ nicht hereingenommen werden, weil er allein das vorgesehene italienische Gesamtkontingent um 100 000 $ überstieg, Auf deutscher Seite bleibt dann nur der Trost, daß die ständigen Auseinandersetzungen mit handelspolitischen Schwierigkeiten immerhin beweisen, wie hoch man das deutsche Maschinenangebot im Ausland schätzt.

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The law of progress in the West German machine building industry is specialization, The growing limitation to a certain sector, to a single kind or type of machinery is still in progress. Immediately after the monetary reform it was taken up again where development had previously been interrupted. Production gaps, such as existed in certain branches of the machine building industry, have to a wide extent been filled by those manufacturers who lost their factories in the Soviet Zone through dismantling or expropriation. When foreign trade liberalization finally cleared the way to foreign markets for the German machine building industry, that industry could offer goods which in their variety and quality were suitable for every international market.