Was ist die Ehre eines Oberbürgermeisters wert? Fünfmal soviel wie die Ehre eines normalen Staatsbürgers. So jedenfalls enthüllte es der Rechtsanwalt des Bonner Oberbürgermeisters Dr. Stockhausen. Und bei dieser Gelegenheit kam man auch gleich auf die Ehre des Ersten Bürgermeisters zu sprechen ...

Wie es zu diesen Enthüllungen kam, das ist eine lange Geschichte, und sie begann unter der Überschrift „Fußtritt“ vor einiger Zeit in der Illustrierten „Der Stern“. Im Bonner Kabarett Carlton“, so schrieb die Illustrierte, „wurde der Frau des Oberbürgermeisters von einer anderen Frau auf den Fuß getreten, deren Partner sich sofort für sie entschuldigte. Dem Oberbürgermeister genügte das nicht. Er verlangte, daß der Herr an seinen Tisch kam, um die Entschuldigung zu wiederholen. Der Herr lehnte ab. Darauf ließ der Oberbürgermeister das Überfallkommando rufen und die Personalien des Herrn feststellen. ‚Der Oberbürgermeister darf das, er verfügt über das Überfallkommando‘, sagte der Geschäftsführer.“

Soweit „Der Stern“. Bonns Oberbürgermeister berichtigte entrüstet, er habe niemals Alarm geschlagen und seine Frau und er seien nie zusammen im Carlton gewesen. Die Veröffentlichung dieser Berichtigung durch den „Stern“ dauerte Bonns Oberbürgermeister zu lange. Sein Anwalt verklagte den „Stern“, Streitobjekt 10 000 DM, das ist fünfmal soviel, wie üblich. Aber, so erklärte der Anwalt auf eine Anfrage, es handele sich ja eben nicht um die Ehre eines normalen Staatsbürgers, sondern am die Ehre des Oberbürgermeisters von Bonn. So kam es zum Prozeß.

„Kennen Sie den Bonner Oberbürgermeister“, fragte Hamburgs bekanntester Strafverteidiger Percy Barber in der Verhandlung seinen Klienten, den Herausgeber des „Stern“. „O ja“, war die Antwort, „er legte mir in angeheitertem Zustand das goldene Buch der Stadt Bonn zur Eintragung vor, und ich schrieb hinein: Henri Nannen, Herausgeber des ‚Stern‘, zur Zeit verboten ...“ – „Und“, so fragte Dr. Barber weiter, „können Sie uns vielleicht auch erklären, wie es zu der Meldung im ‚Stern‘ kam?“ – Die Antwort lautete: „Das Ganze war eine Verwechslung unseres Korrespondenten: Setzen Sie statt ‚Oberbürgermeiser‘ jedesmal ‚Erster Bürgermeister‘ ein, dann stimmt die Geschichte aufs Wort ...“

Bleibt für den Chronisten nur übrig, den Namen des Ersten Bürgermeisters nachzutragen: Schumacher-Haellmold, der gleiche Herr, der für 350 DM monatlich Informationen an Dr. Platows Informationsdienst lieferte. Soviel für heute über die Ehre von Bonns Bürgermeistern.