Essen ist mit über 620 000 Einwohnern eine der größten Städte des Bundesgebietes. Diesen Aufstieg dank es dem Zusammenwirken verschiedener Faktoren, Vor allem ist Essen die Stadt der Kohle. An den südwärts der Stadt gelegenen Ruhrbergen nahm der Steinkohlenbergbau ehemals seinen Anfang. Inzwischen ist Essen völlig von ihm umgeben. Nach dem derzeitigen Stand wurden 1950 auf Essener Gebiet aus 20 Zechen 11,7 Mill. t Kohle gefördert: das sind 11,4 v. H. der Leistung des gesamten Reviers.

Infolge des Übergangs des Bergbaus zum Großbetrieb wurde Essen zum Sitz großer bergbaulicher Hauptverwaltungen. Genannt seien die Gelsenkirchener Bergwerks AG., in der 1925 die gesamten Kohlenbergbaubetriebe der Vereinigten Stahlwerke zusammengefaßt wurden, ferner die Essener Steinkohlenbergwerke AG., die Rheinische Stahlwerke AG., die die Arenberg-Zechen betreibt, sodann die Verwaltung der Kruppschen Kohlenzechen, die Hauptverwaltung der Stinnes-Zechen und die Bergwerksabteilung des Hoesch-Konzerns. Noch stärker findet die Stellung Essens ihren Ausdruck in der Seßhaftmachung zahlreicher Zentralorgane des gesamten rheinischen Bergbaus. Schon 1858 war hier der Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund gegründet worden. 1893 wurde das Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat geschaffen, 1900 der Verein zur Überwachung der Kraftwirtschaft der Ruhrzechen, 1915 die Verkaufsvereinigung für Teererzeugnisse, 1920 die Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten. Es sei auch auf die Großunternehmungen zur Fernversorgung mit elektrischem Strom und Gas verwiesen: das 1898 errichtete Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk und die 1926 entstandene Ruhrgas AG.

Die jüngste Phase dieser Entwicklung ist dadurch gekennzeichnet, daß die entscheidenden Zentralstellen für den Kohlenbergbau des gesamten Bundesgebietes ihren Platz in Essen erhalten haben, so die 1947 geschaffene Deutsche Kohlenbergbau-Leitung und 1948 der Deutsche Kohlen-Verkauf.

Aber Essen ist auch die Stadt des Gußstahls. Das Bestreben von Friedrich Krupp, der 1812 die Gußstahlfabrik ins Leben rief, war darauf gerichtet, im Schmelztiegel einen Qualitätsstahl zu gewinnen, der zur Herstellung hochwertiger Fabrikate dienen sollte. Alfred Krupp, der größte Sohn der Stadt Essen, entwickelte diesen Gedanken zur höchsten Vollkommenheit. Über seinen Tod (1887) hinaus haben seine Nachfolger dieses Erbe gewahrt und vermehrt, so daß mit dem Wachstum der Gußstahlfabrik deren Belegschaft zeitweise die Zahl der im Essener Bergbau Beschäftigten übertraf. Die weiteren Schicksale der Gußstahlfabrik waren wechselvoll. Auf den Rückschlag nach dem ersten Weltkrieg folgte ein neuer Aufschwung, den Schäden des letzten Krieges aber die völlige Zerstörung aller Rüstungsbetriebe und die Demontage vieler zu Friedensproduktionen bestimmter Anlagen. Mit größter Zähigkeit wurde der Wiederaufbau vorgenommen. Es entstanden krisenfeste Arbeitsstätten und neben den Großbetrieben auch Mittel- und Kleinbetriebe der verschiedensten Fertigungsarten. Von den sonstigen Industriezweigen seien die Glasindustrie, vertreten durch die Ruhrglas AG., Betriebe der Elektrotechnik, das graphische Gewerbe, das Textil- und Bekleidungsgewerbe und einzelne Nahrungs- und Genußmittelindustrien, insbesondere das Brauereigewerbe, erwähnt. Dazu kommt ein Mosaik sonstiger Produktionszweige. Eine große Bedeutung beansprucht auch das Baugewerbe.

Die Entwicklung Essens zur Handelsstadt ist der besonders charakteristische Zug seiner Wirtschaftsstruktur. Der Handel ist einerseits Großhandel in Gestalt von Einkaufsgesellschaften für industrielle Rohstoffe und Materialien wie Erz, Schrott, Grubenholz, oder in Gestalt von Verkaufsgesellschaften der Industrie für die dem Revier entstammenden Produkte (z. B. der Deutsche Kohlen-Verkauf). 1910 nahm der Roheisenverband in Essen seinen Sitz. Auch einzelne außerhalb gelegene Eisen- und Stahlwerke, Großbetriebe der elektrotechnischen Industrie und des Maschinenbaus unterhalten Zweigstellen für Ein- und Verkauf. Sodann halben der Großhandel für Konsumgüter, die in der Stadt zum Verbrauch kommen, und der Einzelhandel wachsende Bedeutung erlangt. Die Essener Kaufmannschafft hat es verstanden, die Stadt zur größten Kaufmetropole des Reviers zu entwickeln, das mit seinen 4,5 Millionen Einwohnern einen einzigartigen Absatzmarkt darstellt.

Das Zusammendrängen der Menschen auf engem Raum und der hohe Grad der Industrialisierung haben auch auf anderen Versorgungsgebieten zu bemerkenswerten organisatorischen Leistungen geführt. Die Emschergenossenschaft 1904, der Ruhrverband und der Ruhrtalsperrenverein 1913 sowie der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk 1920 haben daran Anteil. Ein weiterer Hinweis gehe der Tatsache, daß Essen größter Bankplatz des Reviers ist, und die dem Bankwesen nahestehende Versicherungswirtschaft hier ebenfalls bedeutsam vertreten ist. Wird der Begriff der Verwaltung nicht auf die öffentliche Verwaltung beschränkt und bezieht man, ihn in weiterem Sinne auch auf die wirtschaftliche Verweiterem so wird unter Zusammenfassung der verschiedenen geschilderten Tendenzen schließlich der Stadt Essen auch das Prädikat einer großen Verwaltungsstadt zuzuerkennen sein. Angesichts der hier ansässigen überörtlichen Organisationen „Bergbau, Eisenindustrie, Handel, Verkehr, Bankwesen und allgemeiner Versorgung darf Essen wirklich als der Zentralplatz des Ruhrbezirks bezeichnet werden. F.