Von Dr. H. Trute

Während der ersten Nachkriegsjahre betriebenviele der traditionellen Importländer einen umfangreichen Ausbau eigener Industrien, so daß Staaten, die früher ihren Bedarf vornehmlich in Deutschland, den USA oder England deckten, sich heute – vor allem in den konsumtiven Zweigen – zu beachtlichen Konkurrenten entwickelt haben. Ebenso benutzten die alten Exportländer den Ausfall der deutschen Elektroindustrie zu einem Ausbau ihrer Industrie. Beinahe sämtliche außerdeutschen Länder, vor allem die USA, Großbritannien, die Niederlande, die Schweiz, Frankreich und Schweden konnten ihre Ausfuhr erheblich steigern und die Struktur und Richtung des deutschen Elektroexportes beeinflussen.

Erst 1948, nach der Währungsreform, begann auch der Außenhandel der Elektroindustrie anzulaufen. Freilich mußten erst einmal neue Produktionsverhältnisse geschaffen werden, um die gewohnte Reichhaltigkeit und vor allem Qualität des Angebotes zu gewährleisten. Hier aber hatte die westdeutsche Elektroindustrie mit Schwierigkeiten besonderer Art zu kämpfen, denn rund die Hälfte ihrer Kapazität lag 1939 im Gebiet von Berlin, wo sie – Zerstörungen und Reparationsentnahmen besonders ausgeliefert – Substanzverluste erlitt wie wohl kein anderer Industriezweig. Die Wiederherstellung normaler Fertigungsverhältnisse ist durch die Verlegung von Produktionsstätten nach Westdeutschland gelungen sowie durch die Bereitwilligkeit hier ansässiger Unternehmen, trotz der herrschenden Ungewißheiten neue Fertigungsbetriebe zu errichten, um so die Engpässe zu beseitigen und eine angemessene Breitenwirkung in der Produktion zu erreichen. In Berlin ist es gelungen, die entstandenen Lücken im zähen Wiederaufbau zu schließen. Die Stadt nimmt innerhalb der deutschen Elektroindustrie wiederum eine beachtliche Stellung ein.

Erfreulicherweise rief der Abschluß von Handelsverträgen bei den Partnern eine gesteigerte Nachfrage hervor, wobei in fast allen Staaten sich die Anfragen zur Übernahme von Vertretungen deutscher Firmen mehrten und zu festen Bindungen führten. Der Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie hat hierbei ausländische Firmen, Kammern und Dienststellen beraten und den Kontakt zu deutschen Lieferanten hergestellt sowie das Nachschlagewerk „Die Deutsche Elektroindustrie“ als Ratgeber für deutsche Konsulate und ausländische Interessenten herausgegeben. Die Steigerung des Auslandsgeschäftes war im Anfang und speziell auf dem Anlagengebiet (Kraftwerke, Fernsprechämter, elektrische Bahnen, Krankenhäuser) oft nur auf Kosten der Eigenversorgung möglich, und wenn heute mehr als 500 Firmen kontinuierlich im Exportgeschäft stehen, so ist hiermit wohl der beste Beweis für unsere Bemühungen um die Versorgung des Auslandsmarktes gegeben. Die Marshall-Plan-Länder nahmen 1950/51 mehr als 2/3 des gesamten Elektroexportes auf. Damit haben die von der Elektroindustrie zum Ausdruck gebrachten Ansichten über die Entfaltung eines von Beschränkungen befreiten Handels ihre erfreuliche Bestätigung gefunden.

Die Aussichten der Elektroindustrie auf dem Exportgebiet lassen sich für die Zukunft nicht mit Sicherheit übersehen. Im Marshall-Plan ist für die deutsche Elektroindustrie ein Exportjahresvolumen von 600 Mill. DM ab Mitte 1952 in Aussicht genommen, und die Entwicklung der beiden letzten Jahre läßt dieses Ziel erreichbar erscheinen. Die entscheidende Frage ist jedoch, inwieweit es möglich sein wird, den damit verbundenen Rohstoffbedarf zu decken. Gerade die Elektroindustrie ist von ausländischen Rohstoffen wie NE-Metallen, Textilien und Zellulose so abhängig, daß nur eine kontinuierliche Belieferung sie instand setzt, ihre Aufgabe zu erfüllen.

The prominent position of German electric industry has been severely affected, above all, by the fact that it was centered in and around Berlin and consequently particulary exposed to destruction and dismantling. Many world-famous firms like Siemens, AEG and others have therefore been compelled to build new plants in Western Germany. In the meantime the USA, Great Britain, Holland, Switzerland, as well as France and Sweden have had a chance to boost their own exports.

Ever since 1948, however, German electric industry has been able to regain a foothold in foreign markets. The total value of production rose from RM/DM 2,140 million in 1948 to DM 3,500 million in 1950. Exports covered RM/DM 30,7 million = 2.6 % in 1948 and rose to DM 323 million = 9.2 % in 1950. Marshall Plan Countries consumed more than two thirds of German electro exports in 1950/51. According to Marshall Plan, German electric industry has been scheduled forexports totalling DM 600 million annually, starting from the middle of 1952. Development in recent years makes it likely that this target will be reached. However, it all depends on the question whether the industry will be adequately supplied with raw materials, the industry depending so much on non-ferrous metals, textiles and cellulose that success or failure is entirely a matter of steady supplies.