Der Ausgleich der Handelsbilanzen ist das Problem, mit dem sich heute alle westeuropäischen Länder befassen. Auf neuartige Wege zur Förderung des Exports, die von England, Holland, Belgien und zum Teil auch von Deutschland mit Erfolg beschritten werden, wies der englische Exportkaufmann Dr. H. Catleen auf einer von der Gesellschaft zur Förderung des Deutsch-Amerikanischen Handels, Frankfurt, veranstalteten Vortragsreihe hin, die ihn durch Westdeutschland führte. Er begann in Frankfurt und setzte seine Vorträge dann in München, Stuttgart, Freiburg, (Bayreuth, Solingen, Arnsberg und Münster vor interessierten Teilnehmern fort.

Wer exportieren will, muß mit dem Weltmarkt vertraut sein, muß sich auf das Ausland einstellen und muß vor allem billig sein. Mehr als die Hälfte aller zum Export geeigneten Artikel wird von Klein- und Mittelbetrieben hergestellt, die im allgemeinen nicht über genügende Erfahrungen verfügen, um auf den Weltmärkten konkurrenzfähig zu sein. Und so empfiehlt sich der Zusammenschluß mehrerer Firmen zu Exportgruppen. Eine solche Gemeinschaft hat den Vorteil, daß sie eine gemeinsame Exportabteilung unter der Leitung eines erfahrenen Exportfachmanries schaffen kann. Für den einzelnen Betrieb wäre sie sicher nicht rentabel, für mehrere aber ist sie durchaus tragbar. Das Exportbüro, wie es Dr. Catleen propagiert, überwacht die Verhältnisse auf den Weltmärkten, unterrichtet die Mitglieder über Absatzmöglichkeiten, stellt Musterkollektionen zusammen, übernimmt die Exportkalkulation und die Herstellung der Werbedrucksachen, kurz alle Vorbereitungen zur Ausfuhr sowie den Ausbau der internationalen Verkaufsorganisation. Dem Ausland gegenüber tritt es als Exportabteilung der ausführenden Einzelfirma auf.

Ein weiterer Vorteil des Zusammenschlusses ist die Möglichkeit, gut eingeführte und versierte ausländische Vertreter und Importeure zu interessieren, da die Gruppe als Ganzes mehr Verkaufschancen und damit höhere Provision bieten kann. Die Agentur spürt schnell die Bindung zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern und wind – allgemeinen Konsequenzen vorbeugend – ihr Bestes tun, auch weniger gangbare Artikel zu forcieren. Dem kleinen Fabrikanten wird dadurch die gleiche Verkaufschance geboten wie seinem leistungsfähigeren Konkurrenten. Außerdem werden durch Sammelverladung die Frachtspesen für die einzelnen Posten erheblich gemindert. Neben Arbeitsgemeinschaften in eigener Regie empfiehlt Dr. Catleen den Anschluß der Exportgruppen an ein bereits bestehendes Exporthaus, das dadurch ebenfalls in den Genuß größerer Werbemöglichkeiten und günstigerer Frachtsätze kommt. Hanseatische Exporteure heben bereits vor dem Kriege diese Ideen mit großem Erfolg verwirklicht und arbeiten auch jetzt wieder auf diese Weise.

Nach den Erfahrungen Dr. Catleens eignen sich zum Zusammenschluß in derartige Arbeitsgemeinschaften, die nicht mehr als zwölf Mitglieder umfassen sollten, nur Betriebe, die weniger als 300 Arbeitskräfte beschäftigen, geographisch möglichst nahe beieinander liegen und verwandte, aber nicht konkurrierende Produkte herstellen Größere Firmen, die ihre Exportgeschäfte allein abzuwickeln in der Lage sind, können ihre Auslandsumsätze erhöhen, indem sie sich zusammentun, um die großen amerikanischen Mail Order Concerns, die Postauftragsgesellschaften, als Abnehmer zu gewinnen. Das kann nur gelingen, wenn sie eine große Auswahl von begehrtes Artikeln anbieten können. Von englischen Gesellschaften gehen jährlich 1000 Seiten umfassende illustrierte Kataloge über 20 USA Mail Order Concerns in Millionenauflage nach den USA und Kanada und erreichen ferner alle süd- und mittelamerikanischen Staaten. Die durch diese direkte Verkaufsmethode erreichten Kosteneinsparungen wirken erheblich preismindernd und machen die einzelnen Posten äußerst wettbewerbsfähig.

Chancen besonderer Art zeigen sich in Kanada: Zwei kanadische Provinzen und mehrere Stadtgemeinden haben Dr. Catleen offiziell beauftragt, deutsche Fabrikanten, deren Produkte infolge der hohen Fracht- und Zollsätze sowie der Rohstoffpreise dort nicht absatzfähig sind, für die Errichtung von Zweigfabriken in Kanada zu interessieren. –ck.