Das graphische Gewerbe umfaßt alle Betriebe, die Druckstöcke herstellen oder aber das Druckerzeugnis selbst, gleichgültig, ob es sich dabei um Kunstdrucke, Plakate, bedruckte Verpackungen, Etiketten, Bücher, Landkarten, Zeitungen oder ein sonstiges druckerisches Erzeugnis handelt, und gleichgültig auch, in welchem Verfahren die Herstellung erfolgt, ob in Hoch-, Tief- oder Flachdruck. Seit jeher war Deutschland das klassische Land des graphischen Exportes. Nach dem Zusammenbruch konnte die Verbindung zum Ausland nur unter großen Schwierigkeiten wiederaufgenommen werden. Einmal war durch den Eisernen Vorhang Sachsen, insbesondere Leipzig, ausgefallen, weiter hatten die Bombenschäden die Druckereien der Westzonen, die überwiegend in den Zentren der Großstädte liegen, stark betroffen, und schließlich hat gerade das gedruckte Erzeugnis, soweit es an das Wort gebunden ist, im Ausland besonders viele Ressentiments zu überwinden.

Heute ist die geminderte Druckkapazität zu einem großen Teil wiederhergestellt. Es ist auch gelungen, die teilweise überalterten Maschinen durch modernste technische Einrichtungen zu ersetzen, und das Ausland besinnt sich wieder auf den guten Namen, den deutsche Druckerzeugnisse seit je in der Welt gehabt haben. Von überallher fragen in zunehmendem Maße Interessenten des Auslands nach Liefermöglichkeiten an. Besonders die DRUPA in Düsseldorf hat dazu beigetragen, dem Ausland klarzumachen, was die deutschen Drucker heute zu leisten vermögen.

Freilich sind noch viele Schwierigkeiten zu überwinden, denn im graphischen Gewerbe werden überwiegend nicht Stapelwaren hergestellt, sondern es ist individuelle Kundenproduktion, also sozusagen Arbeit nach Maß. Daher kann nicht vom Lager weg exportiert werden, sondern man muß durch Ausstellungen oder Musterkollektionen erst das Interesse der ausländischen Kunden wecken, sich mit ihren Spezialwünschen an deutsche Betriebe zu wenden. Trotzdem zeigt die Entwicklung einen erfreulichen Aufschwung. Von 10,1 Mill. DM 1949 ist der Export 1950 auf 25,2 Mill. DM und im ersten Halbjahr 1951 auf 18,9 Mill. DM gestiegen. Unter den Abnehmern befinden sich nicht nur europäische Länder, sondern der Export streut über die ganze Welt.

Außerdem spielt der sogenannte indirekte Export eine große Rolle; denn es gibt wohl kaum ein Erzeugnis aus den weiten Bereichen von Industrieproduktion und Handwerk, besonders des Kunsthandwerks, an dem nicht auch das graphische Gewerbe beteiligt ist, ob es sich dabei um die Verpackung von Rasierklingen, um Kataloge und Gebrauchsanweisungen, um Etiketten und Zigarrenkistenausstattungen, um die Verpackung in der Spielzeugindustrie oder um die vielen anderen Gegenstände handelt, die nur in gefälliger Aufmachung dem Kunden nahegebracht werden können. Gerade diese Aufmachung, sowie die fremdsprachigen Kataloge und Werbeprospekte sind für die Steigerung des westdeutschen Gesamtexportes von großer Bedeutung, und die deutschen Druckereien haben, da sie laufend Aufträge dieser Art für alle Branchen ausführen, darin große Erfahrung.

Weniger bekannt ist noch ein weiteres Erzeugnis des graphischen Gewerbes, das sowohl im direkten ab auch im indirekten Export eine große Rolle spielt: das industrielle Abziehbild. Jedem Menschen begegnet es im täglichen Leben immer wieder, wenn er von einem schön dekorierten Porzellanteller ißt oder aus einer bunt-„bemalten“ Tasse seinen Kaffee trinkt; dieses Dekor wird durch ein Abziehbild auf das Porzellan gebracht. Die Qualität der deutschen industriellen Abziehbilder hat Weltruf, und die Erzeugnisse werden in erheblichem Umfang in das europäische Ausland ebenso wie auch nach Übersee exportiert. Schmitt-Halin