Trotz vielfacher Schwierigkeiten behauptet sich die Stahleisenausfuhr

Im letzten Vorkriegsjahr exportierte das Deutsche Reich einschließlich Saar 1,9 Mill. t an Walzwerksfertigerzeugmissen im Werte von 350 Mill. RM. Die Ausfuhr an Walzwerksfertigerzeugnissen nur aus der Bundesrepublik hat mit 1,6 Mill. t in diesem Jahre etwa dieselbe Höhe erreicht – im Wert hat sie sich auf 700 Mill. verdoppelt –, nachdem, sie 1948 nur 158 000 t betragen hatte. Eine Ausfuhr in dieser Höhe ist aber für die westdeutsche Industrie nur mit groß eh Schwierigkeiten zu halten, denn schneller als die Erlöse wachsen jetzt bei den Hütten die Gestehungskosten. Seit dem Frühjahr haben sich die Preise günstig entwickelt, während die Exportmengen zurückgefallen sind. Nach der Absatzseite hin werden in der nächsten Zeit keine Schwierigkeiten auftreten: im Gegenteil, die Nachfrage steigt weiter an. Nach der Produktionsseite jedoch macht sich Rohstoffmangel auf der ganzen Linie bemerkbar; insbesondere tritt der Mangel an Kohle in Erscheinung, der zum Import verkokungsfähiger Kohle zwingt. Welche Risiken die deutschen Werke hierin laufen, ist auf der HV der Hüttenwerk Ruhrort-Meiderich AG kürzlich von berufenster Seite dargelegt worden. Auf die komplizierte Abrechnungstechnik soll hier nicht näher eingegangen werden, doch gibt der Wandel in der behördlichen Steuerung dieser Geschäfte bereits eine Vorstellung von seinen Schwierigkeiten:

Preis für 10 000 t Kokskohle cif Hamburg 230 000 $

Gegenwert für ersparten Inlandkoks 100 000 $

noch auszugleichender Mehrpreis 130 000 $

Aus der herzustellenden Menge Walzstahl im Werte von 500- bis 700 000 $ muß zunächst die Menge ausgeführt werden, die zur Bezahlung der Importkohle erforderlich ist. Für die erzeugte übrige Menge hat sich das BMW die Verteilung vorbehalten. Die I. Auflage sah vor: 230 000 $ USA, 130 000 $ Handelsvertragsländer, Rest: 50 v. H. Inland, 50 v, H. Export in Handelsvertragsländer. Die abgeänderte, II. Auflage verlangte: 230 000 $ USA, 130 000 $ Handelsvertragsländer, Rest Inland. Als sich, dies als nicht tragbar herausstellte, III. Auflage: 230 000 $ USA, 2000 t Export, 2000 t Inland. Diese starre Menganrichtlinie konnte sich. nicht durchsetzen, daher IV. Auflage: 230 000 $ USA, Rest Inland.

Wenn der Exporteur schon Mühe hat, die 230 000 $ nach den USA zurückzuverkaufen, da der Markt dort nur für bestimmte Walzwerkserzeugnisse aufnahmefähig ist, so wird aus Vorstehendem klar, daß Rechenkunststücke und Produktionskunststücke notwendig sind, um das durch die zwangsläufigen Kohlenimporte aufgenommene Geschäft erfolgreich abzuwickeln. Trotz aller dieser Schwierigkeiten wird die deutsche Wirtschaft auch für absehbare Zukunft gezwungen sein, Geschäfte auf der Grundlage eingeführter ausländischer Kohle zu machen.