Der zweiten Deutschen Industrie-Ausstellung in Berlin mußte man mit einigem Bangen entgegensehen: der Ausstellung im Oktober vorigen Jahres war die Erstmaligkeit sehr zugute gekommen. Es schien schwer, sie zu übertreffen; um so mehr, als die Bekleidungsindustrie diesmal ganz fehlt. Diese Einbuße an Publikumseffekt wird aber mehr als ausgeglichen durch die einzigartige Ausstellung der Deutschen Rundfunkindustrie, die in der Fernsehstraße die Empfänger von 16 verschiedenen deutschen Firmen ständig vorführt. Außerhalb der Ausstellung hat man Gelegenheit, ein Großprojektionsgerät der Deutschen Philips GmbH, kennenzulernen, das ebenso wie eine Kino-Vorführmaschine das Fernsehbild auf eine Leinwand projiziert und damit auch einer größeren Personenzahl das Fernsehen gestattet. Das englische Telecinema, das sogar das dreidimensionale Sehen eines Films ermöglicht, erregt im britischen Ausstellungspavillon großes Interesse. Darüber hinaus werden alle neuen Rundfunktypen gezeigt, so daß es scheint, als ob Berlin seinen Anspruch auf endgültige Rückkehr der großen Deutschen Funkausstellung an ihren traditionellen Standort durchsetzen wird.

Der Schwerpunkt der diesjährigen Ausstellung hat sich offensichtlich mehr auf die Investitionsgüterindustrien verlagert. Sie bieten mit den Gemeinschaftsausstellungen der einzelnen Industriezweige, wie der Deutschen Kohlenbergbauleitung, der Mineralölwirtschaft, der Kälteindustrie und der Zellstoff- und Papierindustrie, sowie mit den Fertigungen der einzelnen Firmen ein ziemlich umfassendes Bild der Industrieproduktion. Dies wird ergänzt durch die Beteiligung der USA und zehn europäischer Länder, die sowohl durch Einzelfirmen wie Kollektivausstellungen ihre wichtigsten Produkte zeigen. Messekontingente von insgesamt 2,5 Mill. $ stehen für Einkäufe bei den ausländischen Ausstellern zur Verfügung. Die geschäftlichen Interessen der Aussteller und Einkäufer werden diesmal durch Einlegung besonderer Käufertage wahrgenommen. Obwohl die Ausstellungsfläche um 6000 auf 52 000 qm vergrößert wurde und die Stände nicht mehr mietefrei abgegeben wurden, mußten zahlreiche Aussteller zurückgewiesen werden. Diese Tatsache rechtfertigt die Absichten, den gedeckten Ausstellungsraum durch Bau von zwei weiteren Hallen von je 4000 bis 5000 qm zu vergrößern, um den Ansprüchen der nächsten Jahre gerecht werden zu können. Aus Westdeutschland und aus dem Ausland ist die Beteiligung der geschäftlich interessierten Kreise stärker als im Vorjahr, und die Fülle von Veranstaltungen, die sich in diesen Tagen in Berlin zusammendrängen, scheint zu beweisen, daß das Interesse an Berlin erfreulich zugenommen hat. Sa.