In den zwölf Monaten seit dem 30. Juni 1950 setzte sich die Steigerung von Produktion und Export in der optischen und feinmechanischen Industrie ständig fort. Einschließlich Uhren stieg der Monatsumsatz dieser Industrien von 55 Mill. DM im Juni 1950 auf 86,7 Mill. DM im Juni 1951, der Exportwert des dritten Quartals 1950 mit 56 Mill. DM sogar auf über 108 Mill. DM im zweiten Quartal 1951, worin die Zurückgewinnung weiterer Auslandsmärkte zum Ausdruck kommt, wie auch die Käuferkonjunktur seit Korea. Damit scheint nun der Höhepunkt erreicht zu sein, da der Rohstoffmangel einer künftigen Ausweitung der Kapazitäten entgegensteht und die Mehrkosten verteuerter Materialien und Löhne sich in Preiserhöhungen von durchschnittlich 15 bis 20 v. H. niederschlugen. So ging der bisherige deutsche Preisvorsprung auf den Weltmärkten nicht nur verloren, sondern die deutschen Erzeugnisse wurden weiter an die obere Grenze der internationalen Wettbewerbsfähigkeit gedrängt. Es wird daher vermehrter Anstrengungen der Industrie bedürfen, wenn das derzeitige Exportvolumen aufrechterhalten werden soll.

Konnte bisher eine Steigerung der Ausfuhr auch durch die zunehmende Zahl von Handelsverträgen erreicht werden, so geht das Bestreben nun dahin, eine Verfeinerung der Vertragsbestimmungen sowie Verbesserungen in Fragen der Meistbegünstigung, des gewerblichen Rechtsschutzes und der Behandlung deutschen Eigentums herbeizuführen. Das Fehlen offizieller Vertretungen macht sich besonders in den lateinamerikanischen Ländern nachteilig bemerkbar, so daß hier noch Möglichkeiten für eine Steigerung des Exports vorhanden sind. Wenn das Produktionsvolumen trotz der Engpässe in der Beschaffung von Kohle, Nichteisenmetallen und Blechen, trotz der steuerlichen und Lohnbelastungen und trotz der sich abzeichnenden Rüstungsfolgen gehalten werden kann, so wird auch der Ausgleich der deutschen EZU-Bilanz anhalten und die Liberalisierung als exportfördernder Faktor wieder in Erscheinung treten können.

Durch willkürliche amerikanische Beschlagnahmen an der Grenze ist der Warenaustausch zwischen Ost und West zum Erliegen gekommen. Nunmehr steht mit dem neuen Ausfuhrverfahren ein Abbau solcher Maßnahmen zu erwarten. Bei der Prüfung der Ausfuhr durch die Zollstellen ist wenigstens die Gewähr dafür gegeben, daß keine Beschlagnahme legaler Waren an der Grenze mehr erfolgen, wenn auch die Vorschriften des Embargos selbst aufrechterhalten werden sollen. Der damit erzwungene Verzicht auf erhebliche Exportmöglichkeiten in die Ostblockländer wird von der optischen und feinmechanischen Industrie als echter Verteidigungsbeitrag gewertet.

Die große Leistung dieser relativ überhaupt exportintensivsten deutschen Industriegruppe zeigt sich in der Steigerung ihres Produktionsindexes von 80 im Januar 1949 auf 159 im Juni 1951, bei einer Zunahme der Beschäftigten von 77 000 auf 93 000 im gleichen Zeitraum, und einem Exportanteil von rund 40 v. H ihrer Produktion. Im ersten Halbjahr 1951 konnte der Exportwert im Vergleich zum ganzen Jahr 1950 nahezu erreicht werden, z. B. bei: Augenoptik (Exporte 1950: 33 Mill. DM, erstes Halbjahr 1951: 30 Mill. DM), Mikroskopen und Lupen (1950: 13 Mill. DM, 1951: 10 Mill. DM), bei Photogeräten (61,4 Mill. DM zu 50,9 Mill. DM), und sogar übertroffen wurden die Exportergebnisse von 1950 bereits jetzt bei optischen Meßinstrumenten (3,5 Mill. DM zu 4,7 Mill. DM), bei Labormitteln und Laborgeräten (3,8 Mill. DM zu 3,82 Mill. DM) und bei medizinmechanischen Erzeugnissen (24,3 Mill. DM zu 25,7 Mill. DM). Einzelne Erzeugnisse haben fast in jeder Fertigungsgruppe im ersten Halbjahr 1951 ihre gesamten vorjährigen Produktions- und Exportwerte erreicht oder gar übertroffen. Im Rahmen der ganzen deutschen Exportwirtschaft kommt der optischen und feinmechanischen Industrie daher eine führende Bedeutung zu. EOG.