Englische Prinzessinnen tragen heute zum Shopping, zum Coctail und zur kleinen Abendgesellschaft die Kleider ihrer älteren Schwestern nach. Die Modelle von Jacques Fath und Christian Dior stehen für sie, wie für jede Stenotypistin, am Wege zu den Schlössern, die im Monde liegen. Wie man liest, beschränken sich auch die Speisenfolgen bei europäischen Fürstenhochzeiten auf wenige Gänge und einfache Weine. Die schlemmerischen Kochbücher und die Rezeptvorschläge in den eleganten Zeitschriften regen zwar die Phantasie an, sind aber kaum dazu bestimmt, irgendwo in häuslichen Küchen realisiert zu werden.

Wo sind die Kreise, für die Modellschauen, mondäne Modefotos und „kloine Menüs“ heute praktische Bedeutung haben? Vor wenigen Jahren noch gab es die „oberen Zehntausend“, die jene Modelle auch wirklich zu einem einmaligen Anlaß trugen und jene Diners ihren Gästen wirklich vorsetzen ließen. Die selbstschneidernde Hausfrau arbeitete zwar nach Schnittmustern, aber die Dame wählte ihre Garderobe nach den Einfällen der prominenten Modeschöpfer. Damals brauchte sie für jede Gelegenheit fünf Kleider zur Wahl, heute ist sie froh, wenn sie ein Kleid für fünf Gelegenheiten hat.

Dennoch steht das Luxuriöse, Extravagante, Kostspielige in hoher Gunst. Das Mannequin, die Schönheitskönigin, die Filmdiva im großen Staat präsentieren ein dekoratives Bild, das nur noch Hülle ist, ein Fest für die Augen jener vielen, die nicht mehr zur vornehmen Gesellschaft aufblicken können und sich gern darüber täuschen lassen, daß diese „großen Damen“ ihnen nur ein Schauspiel geben und sonst das gleiche, unfestliche Leben führen wie sie selbst.

Die Mode schwingt ihr Szepter heute in einem Traumreich. Modelle auf Kunstdruckpapier zu betrachten und raffinierte Speisenfolgen zu durchdenken – das sind Ausflüge in ein Schlaraffenland, zu dem jeder sich für ein paar Groschen eine Fahrkarte leisten kann.

Auf den Rennplätzen, bei den Premieren fehlt der Glanz von ehedem. Hausbälle werden in bescheidenem Rahmen abgehalten, und ein Abendkleid muß für die ganze Saison reichen, wenn nicht noch länger. Indessen – die Scheinmanöver der Modetraumfabrik sind keine bloßen Eulenspiegeleien. Wer kann wissen, ob sie nicht die Brücke schlagen von einer Vergangenheit, in der Prachtentfaltung ein Ausdruck des Lebens war, zu einer Zukunft, in der das in gewandelter Form wieder möglich sein wird? Es ist immer die Nuancen der Kultur nicht absterben zu lassen. Elisabeth Verden