Von Dr. Wilhelm Luley, Frankfurt / Main

Die verbliebene Produktionskapazität des Kraftmaschinenbaus im Gebiet der Bundesrepublik und von Westberlin wurde 1948 im Vergleich zum ehemaligen Reichsgebiet bei Verbrennungsmotoren auf 55 v. H., bei Kolben- und Kessel-Dampfmaschinen auf 25 v. H., bei Dampfturbinen auf 30 v. H. und bei Wasserturbinen auf 80 v. H. der Kapazität von 1938 geschätzt. Das Versandgewicht an Kraftmaschinen und deren Teile betrug 1947 kaum 11,5 v. H. und 1948 nur 16,3 v. H. von 1938 und bestand im wesentlichen nur aus Ersatzteilen. An eine nennenswerte Neuproduktion war unter den damaligen Rohstoff-, Produktions- und Arbeitsbedingungen nicht zu denken. Eine Änderung trat erst im 2. Halbjahr 1948 ein mit dem Fortfall der Produktionsbeschränkungen, der Wiederherstellung stabiler Währungsverhältnisse und der Belebung in der Förderung von Brennstoffen und der Produktion von Rohstoffen.

In der Bundesrepublik und in Westberlin stabilisierten sich die Produktionsverhältnisse im Jahre 1949 und näherten sich 1950 in der Relation von Fertigmaschinen und Ersatzteilen den normalen Verhältnissen, so daß die deutsche Kraftmaschinenproduktion und -ausfuhr diejenige des Jahres 1936 erreichte. Erfreulich ist dabei für die deutschen Hersteller, daß ihre Erzeugnisse vor allem in den Ländern wieder begrüßt wurden, die früher jahrzehntelang Abnehmer waren.

Im 1. Halbjahr 1951 wurden folgende Ausfuhrwerte erreicht: Verbrennungsmotoren (Dieselmotore) 87,0 Mill. DM; motorisch angetriebene Elektro-Aggregate 14,0 Mill. DM; Dampfmaschinen (Kolben- und Kesseldampfmaschinen und Dampfturbinen) 6,7 Mill. DM und Wasserturbinen 9,0 Mill. DM, insgesamt also rund 117 Mill. DM. Das entspricht etwa 10 v. H. des deutschen Maschinenausfuhrwertes, der in den ersten sechs Monaten von 1951 mehr als 1 Mrd. DM erreichte. Im Jahre 1938 machte die deutsche Kraftmaschinen-Aufuhr etwa 37 v. H. der Weltausfuhr von Kraftmaschinen aus, (ohne Japan).

Infolge der weltpolitischen Konstellation fielen, besonders für den Motorenbau, die natürlichen Absatzgebiete in-Südosteuropa aus, während für Dampfmaschinen- und Dampfturbinen-Exporte Polen und Rußland als hauptsächliche Abnehmerländer verlorengingen. Nach der gegenwärtigen Situation geht die Verbrennungsmotorenausfuhr zu 60 v. H. nach europäischen Ländern (50 v. H. auf Mitgliederländer der OEEC), 15,2 v. H. nach Südamerika, 6,4 v. H. nach Afrika, 1,4 v. H. nach Australien und 17 v. H. nach Asien. Fjir Kesseldampfmaschinen kommt in der Hauptsache der Überseemarkt in Frage: 55 v. H. gehen nach Südamerika, 16,3 v. H. nach Afrika und 9 v. H. nach Asien. Kolbendampfmaschinen und Dampfturbinen finden vornehmlich in Europa Absatz. Bei Wasserturbinen stehen europäische (64 v. H.) und südamerikanische Länder (31 v. H.) im Vordergrund. Die Bestrebungen, nur Qualitätserzeugnisse zu liefern und auf die besonderen Wünsche der Abnehmer einzugehen, haben den deutschen Exportwaren allenthalben einen guten Namen erworben. In technischer Beziehung ist im deutschen Kraftmaschinenbau der Anschluß an die Entwicklung der Wettbewerbsländer wieder hergestellt. Die Produktionsprogramme der deutschen Kraftmaschinenhersteller umfassen alle Arten und Leistungen von Kraftmaschinen für jeden in Betracht kommenden Verwendungszweck. Gegenwärtig verfügt der Kraftmaschinenbau in der Bundesrepublik und Westberlin über 85 Betriebe mit 30 000 Fachkräften und ist in der Lage, allen Erwartungen gerecht zu werden und zur Deckung des immer noch steigenden Bedarfs an Kraftmaschinen aller Arten beizutragen.