Der stete Anstieg unserer Ausfuhr wäre ohne die Liberalisierung kaum zu erreichen gewesen. Ihr Impuls wirkte auch weiter fort, obwohl Ende Februar 1951 eine Unterbrechung darin eintreten mußte.

Die deutsche Kredit-„Quote“ in der EZU betrug ursprünglich 320 Mill. $, die im Laufe des Oktober 1950 erschöpft war. Dann erhielt Deutschland einen Sonderkredit in Höhe von 180 Mill. bei dessen Inanspruchnahme jeweils, ein Drittel in freien $ eingeschossen werden mußte. Wie das Zahlenbild erkennen läßt, war Ende Februar auch der Sonderkredit mit 137,1 Mill. $ in Anspruch genommen. Die gesamten freien $-Einschüsse in die EZU betrugen zum gleichen Zeitpunkt 173,7 Mill. Wenn auch nach dem Liberalisierungsstop neue Einfuhr- und Transferverbindlichkeiten aus liberalisierten Importen verhindert wurden, so bestand doch in den ersten Wochen danach die erhöhte Gefahr, daß aus den noch gültigen Einfuhrlizenzen stoßartig große Posten zur Zahlung vorgelegt würden. Alle Bemühungen waren daher darauf gerichtet, hier einen Run zu vermeiden, gleichzeitig aber für fällige Verpflichtungen sofort Devisenzahlungen zu leisten. Durch Maßnahmen des Zentralbankrats (auf dem Gebiet der Geld- und Kreditpolitik) und des Interministeriellen Einfuhrausschusses (für die Durchführung der Einfuhr) gelang es dann auch, die drohende weitere Verschlechterung unserer Zahlungsbilanz mit der EZU im März aufzufangen:

1951 März April Mai Juni Juli

Defizit in Mill. $ 445 400 319 272 202 Einfuhrlizenzen und Devisenzuteilungen

b. d. Importeuren 472 330 307 327 341

Die OEEC gab erst die Empfehlung, nicht nur die liberalisierten, sondern zunächst auch nichtliberalisierte Einfuhren einzustellen. Bei Verhandlungen mit den verschiedenen Ausschüssen der OEEC in Paris und parallel mit den einzelnen Teilnehmerländern galt es nun einerseits, eine deutsche Versorgungskrise zu vermeiden, andererseits aber auch den berechtigten Interessen der EZU-Mitglieder in bezug auf den Absatz ihrer Güter nach Deutschland Rechnung zu tragen. Die Ende Juni 1951 zustande gekommene Regelung, die einen Zeitraum von drei Monaten für die bisher liberalisierte, und von sieben Monaten für die kontingentierte Einfuhr umfaßt, legt eine monatliche Durchschnittseinfuhr von 170 Mill. $ fest. Sie stellt ein beachtenswertes Ergebnis verständnisvoller Zusammenarbeit dar.

Das System der Europäischen Zahlungsunion ist so konstruiert, daß die wachsenden Dollar-Einschüsse bei steigender Verschuldung im letzten Fünftel 80 v. H. erreichen. Bei Inanspruchnahme auch des letzten Fünftels müssen weitere Passivsalden hundertprozentig in freien Dollars bezahlt werden. Da unsere freien Dollarbestände und -Einkünfte nur gering sind und ständig erhebliche Beträge für Einfuhren aus dem Dollar-Raum zu zahlen sind, liegt hier eine der wesentlichsten Schwierigkeiten für die Wiederingangsetzung der Liberalisierung. Sollen nach Wiederaufnahme der Liberalisierung ähnliche Schwierigkeiten wie Ende Februar dieses Jahres vermieden werden, dann bedarf es einer Stärkung der freien Dollar-Bestände der Bank deutscher Länder. Bundesregierung und Notenbank sind sich über dieses Erfordernis einig.