K.W. Berlin, im Oktober

Zur Deutschen Industrieausstellung in Berlin haben die Engländer eine besondere Pikanterie von ihrem „Festival of Britain“ nach Berlin gebracht: den dreidimensionalen Film. Eine dunkle Brille wird dem Besucher über die Augen gestülpt. Sie hat den größten Anteil an dem halbstündigen Zauber, dem er dann verfällt. Da blinken Sterne an der blauen Leinwand auf: erst normale, schön nebeneinander, dann aber erstrahlen andere und wieder andere dahinter, bis ein ganz weiter und tiefer Himmel, ein unendliches Firmament sternenübersät das Auge freundlich täuscht (denn wenn wir die Brille lüften, schwimmen die bunten Sterne, ein bißchen verschwommen und ein bißchen quallig, nebeneinander statt hinter- und übereinander). Mit bunten Ringen, Kringeln, Bällen geht es nicht anders: sie wirbeln, wenn die Brille das Auge bedeckt, in surrealistischem Reigen bis in die unendliche Weite von uns hinweg, um in der nächsten Sekunde, immer größer und näher kommend, auf uns wie gefährliche Kometen zuzustoßen. Und wenn erst gar der lange Hals der Giraffe im Londoner Zoo über unsere Vordermänner hinweg, viele Bankreihen überspringend, nach uns greift, wenn der Hexenmeister der Stereoskopie kleine Bällchen am seidenen Faden aus dem Bild heraus über uns hinwegschwingen und wieder ins Bild hineinholen läßt, dann wird das Wunder der dritten Dimension, das dieser plastische Film erobert, vollends offenbar. Seine unermeßlichen Möglichkeiten aber läßt erst ein Landschaftsfilm von der Themse ahnen, der Baum und Strauch, Blume und Getier in erregender Plastik vor unser Auge holt. Wir entdecken plötzlich an solchem plastischen Film, was uns die Technik der Kinematographie von der Spiegelung unseres natürlichen Auges bislang noch vorenthalten hat. Doch zugleich entgeht uns nicht der Mangel, mit dem diese ersten plastischen Filme die Eroberung einer neuen Dimension erkaufen: den Mangel der richtigen Perspektive.