Nach dem Wirksamwerden der Import-Restriktionen war seit April 1951 eine starke Abnahme der Einfuhr im Monatsdurchschnitt um rd. 200 Mill. DM gegenüber dem Durchschnitt der Monate Januar/März 1951 zu verzeichnen. Daraus ergab sich zwar eine beträchtliche Verbesserung der internationalen Zahlungsposition der Bundesrepublik, zugleich aber auch ein Absinken des Einfuhrvolumens auf einen Stand, der in keiner Weise mehr dem laufenden Verbrauch und Bedarf an Einfuhrgütern entsprach.

Beim Bundeswirtschaftsministerium und bei der Bank deutscher Länder wurden daher Erwägungen darüber angestellt, Rohstoffkreditgeschäfte einzuführen, bei denen die Beschaffung von Rohstoffen für die Exportfertigung über einen Auslandskredit erfolgt, der durch den Ausfuhrerlös mittels dieser Rohstoffe hergestellter Erzeugnisse abgedeckt wird.

Rohstoffkreditgeschäfte sind jetzt zulässig, auch wenn die eingeführten Rohstoffe zur Weiterverarbeitung mehrere Stufen durchlaufen und die daraus hergestellten Waren – von der letzten verarbeitenden Stelle oder von einem Exporthändler ausgeführt werden. Der Importeur des Rohstoffs braucht also nicht zugleich auch Exporteur der Ware zu sein. Grundsatz ist, daß der Kredit aus dem Erlös des vorgesehenen Exports abgedeckt wird, daß die gesamte Einfuhrware in die Exportfabrikation geht und der Exporterlös einen nennenswerten Überschuß über den zur Bezahlung der Einfuhr aufzuwendenden Devisenbetrag ergibt. Das bedeutet, daß die Exporterlöse zumindest in Höhe der Kreditinanspruchnahme zusätzlich etwaiger Kredit- und Nebenkosten eingehen müssen. Selbstverständlich muß der Exporterlös auch in einer Währung hereinkommen, aus der der Auslandskredit abgedeckt werden kann. Wenn z. B. Einfuhrware in freien Dollars gekauft wird, müssen zum mindesten in der Höhe des Einfuhrgegenwertes auch Exporterlöse in freien Dollars erzielt werden, während die Exportüberschüsse in anderer Währung anfallen können. Soweit Lieferanten und Empfänger zu der Gruppe der der EZU angeschlossenen Länder gehören, ist es unwesentlich, aus welchem Lande importiert und in welches exportiert wird.

Das Rohstoffkreditverfahren kann bereits jetzt, bevor die endgültigen Richtlinien herausgekommen sind, in Anspruch genommen werden. Aber natürlich nur, wenn der ausländische Kreditgeber etwa als Lieferant Ziel gewährt oder eine ausländische Bank dem Lieferanten Kredit einräumt. Zur Erleichterung ist die Bank deutscher Länder bereit, der Außenhandelsbank, die sich dem ausländischen Kreditgebenden gegenüber für die Rückzahlung des Kredites verbürgt, die zur Rückzahlung erforderlichen Devisen gegen DM zur Verfügung zu stellen, falls der Kredit nicht in der vorgesehenen Weise durch Exporterlöse abgedeckt werden kann. Eine solche Garantie kann allerdings nur eingeräumt werden, wenn der BdL glaubhaft nachgewiesen worden ist, daß Exportkontrakte vorliegen und deren fristgemäße Erfüllung gewährleistet erscheint. Wenn es also deutschen Importeuren auf Grund ihrer alten Verbindungen gelingt, Lieferantenkredite zu erhalten bzw. die Bereitstellung ausländischer Bankkredite zu erwirken, kann die Hausbank des Importeurs als Garantiebank eingeschaltet und die Transfergarantie der BdL zur Geltung gebracht werden.

Westdeutschland leidet heute unter einem empfindlichen Mangel an Valuta-Kreditmöglichkeiten für die Einfuhrfinanzierung. Bisher ist der ausländische Rembourskredit, mit dessen Hilfe sich die deutschen Banken ihrer Kundschaft früher in Milliardenhöhe für eine sich glatt und reibungslos abwickelnde Finanzierung der Baumwoll- und sonstigen Rohstoffimporte zur Verfügung stellen konnten, durch nichts ersetzt worden. Um so mehr wäre es erwünscht, daß das Rohstoffkreditverfahren, das in besonderer Weise den Bedürfnissen unserer Lage Rechnung trägt, sich zu einem wirksamen Hilfsmittel ausgestalten ließe.