Im Laufe der letzten drei Jahre sind an die deutsche Einfuhrwirtschaft infolge der unvergleichlichen Notlage naturgemäß Ansprüche gestellt worden, wie sie kaum je zuvor denkbar waren. Die völlig leeren Ernährungs- und Konsumgüterläger und das Fehlen jeglicher Rohstoffe mußten zu einer ganz ungewöhnlichen Aufstauung der Nachfrage führen. Die großzügige USA-Aktion zur Verhütung von Seuchen und Unruhen in den ersten Jahren nach dem Zusammenbruch leitete den Beginn einer neuen Einfuhrwirtschaft ein. Später sorgte die Marshall-Hilfe für eine Fortsetzung und Ergänzung dieser fiskalisch durchgeführten Einfuhren. DerJEIA war als weitere Etappe vorbehalten, die individuelle Betätigung in der Einfuhrwirtschaft wieder zum Zuge kommen zu lassen, sodaß die deutschen Einfuhrfirmen nach zehnjähriger Unterbrechung wieder Verbindung mit dem Ausland aufnehmen konnten. Endlich war die Liberalisierung des Außenhandels gelungen. Ein überaus mutiges Beginnen, das von deutscher Seite nach so kurzem Anlauf nur deshalb verantwortet werden konnte, weil die Europäische Zahlungsunion dahinter stand.

Dem überwältigenden deutschen Einfuhrbedürfnis stand nun aber – und das darf nicht verschwiegen werden – auch ein ebenso interessiertes ausländisches Angebot gegenüber. Für den ausländischen Export gab es eine einzigartige Gelegenheit, ausländische Erzeugnisse, vor allem auch Fertigwaren, nach Deutschland zu liefern, die früher niemals von Deutschland eingeführt zu werden brauchten. Darin liegen auch die Gründe für die beiden Unterbrechungen der Liberalisierung am 12. Oktober 1950 und 21. Februar 1951, warum es also nicht gelungen ist, die Einfuhr in den Grenzen der vorhandenen Devisen zu halten, wobei die Folgeerscheinungen der Koreakrise wie in allen Ländern der westlichen Welt entscheidenden Einfluß hatten. Die Bildung von Rohstoffreserven ist in solchen Zeiten eine nur allzu natürliche Reaktion auf so einschneidende Ereignisse wie politische Unruhen. Die deutsche Devisenposition war noch nicht so stark, daß wir uns erlauben konnten, Warenvorräte in der gewünschten Menge zur Vorratshaltung aus dem Auslande einzuführen, wie es andere Länder taten.

Die erfreuliche Entwicklung unseres Außenhandels seit März 1951 durch die Erzielung nicht unbeträchtlicher Exportüberschüsse hat unsere Devisenlage zwar überraschend schnell entlastet. Indessen wäre nichts falscher als der rosige Optimismus, die Exportüberschüsse würden nun Monat für Monat ihren Fortgang nehmen: Unser normaler Einfuhrbedarf nimmt monatlich schätzungsweise 220 Mill. $ in Anspruch, während wir ab Mai 1951 monatlich nur 170 Mill. $ ausgeschrieben haben, wodurch wir aber besonders auf dem Ernährungsgebiet mit unseren Rohstoffeindeckungen in Rückstand gekommen sind, so daß eine neue, nicht ganz ungefährliche Aufstauung echten Bedarfs stattfindet, die nur dadurch nivelliert werden kann, daß genügend Devisen zur Verfügung gestellt werden. Es mag sein, daß die OEEC die Bundesregierung veranlaßt, bis zum Jahresende von dem bisherigen Gesamtplanfond von monatlich 170 Mill. $ nicht abzugehen, obwohl mindestens 200 Mill. $ für das letzte Vierteljahr 1951 erforderlich wären, um die empfindlichsten Versorgungslücken aufzufüllen. Devisenwertgrenzen von monatlich 220 Mill. $ können aber nur dann für die Einfuhr freigegeben werden, wenn die Bank deutscher Länder auch tatsächlich darüber verfügt. Nach der gegenwärtigen Lage kann das nur geschehen, wenn der deutsche Export eine weitere Steigerung um 20 bis 30 v. H. erfährt: wissen wir doch aus der Statistik, daß bei einer Einfuhr von monatlich 170 Mill. $ ein Exportüberschuß zu erzielen war. Erhöht sich unsere Einfuhr um 20 v. M., so muß die Ausfuhr vorher entsprechend erhöht werden. Sonst geraten wir wieder in eine bedrohliche Devisenklemme, die wir uns nicht mehr leisten können. Die Marshallplan-Gelder sind von bisher 350 Mill. $ jährlich auf 175 Mill. $ herabgesetzt, während unsere effektiven USA-$-Aufwendungen jährlich kaum unter 800 Mill. $ liegen, so daß die deutsche Ausführ hier vor einem schwierigen Problem steht, das zu lösen noch außergewönliche Anstrengungen notwendig macht.

So kommt es darauf an, daß alle Kräfte systematisch dem Ziele zusteuern, unsere Ausfuhr im allgemeinen zu fördern. Dabei nimmt die deutsche Einfuhr eine sehr bedeutsame Rolle ein, denn fast alle großen Einfuhrmärkte, wie Wolle, Baumwolle, Kautschuk, Holz, Faserstoffe, NE-Metalle, aber auch zahlreiche andere Einfuhrgüter dienen der Fertigung für den deutschen Export, In vielen Fällen sind gerade die aus dem Auslande importierten Bestandteile ausschlaggebend für die Qualität und die Preiswürdigkeit der deutschen Exporterzeugnisse und deren Absatz. je besser die Einfuhrlieferanten unseren Bedarf versehen, desto aufnahmefähiger sind sie auch unsere Ausfuhrindustrie. Je näher man die Zusammenarbeit der Einfuhr mit der Ausfuhr betrachtet, desto deutlicher wird es, daß eine verwirkte Leistung wechselwirkend zustande kommt, je reibungsloser die Einfuhr funktioniert. Die Verbundenheit zwischen Einfuhr und Ausfuhr bestimmt die Bedeutung unseres Außenhandels.