Von Ministerialrat Dr. B. Toepfer,

Bundeswirtschaftsministerium

Die Exportleistungen der deutschen Textil- und Bekleidungswirtschaft können nur bei richtiger Erkenntnis der schwierigen Voraussetzungen gewürdigt werden, unter denen sie erreicht wurden und weiterhin erzielt werden müssen: Bei Ausgang des Krieges war die Mehrzahl der Betriebe beschädigt oder zerstört. Die wieder in Gang gekommene Produktion war aus mancherlei Gründen zunächst noch nicht exportfähig. Außerdem mußte sich nach der Spaltung Deutschlands die Textilwirtschaft des Bundesgebiets strukturell ganz neu aufbauen, Spinnerei-, Weberei- und Ausrüstungskapazitäten mußten sich vor allem aufeinander abstimmen, Hinzu kam, daß die maschinelle Ausstattung erst wieder auf den letzten Stand der Entwicklung gebracht werden mußte: ein Ziel, das auch heute noch nicht erreicht ist, da einerseits die notwendigen Investitionsmittel noch nicht ausreichend zur Verfügung standen und andererseits die erforderlichen Einfuhren von Spezialmaschinen, insbesondere aus den USA, wegen der nur ganz beschränkt verfügbaren freien Dollarbeträge nur sukzessive, durchgeführt werden können. Die Wiedereinschaltung in die internationale Konkurrenz erforderte wiederum als Grundlage ein gesundes Inlandgeschäft, das sich erst nach der Währungsreform, mit der Lösung zwangswirtschaftlichen Fesseln etwa seit Anfang 1949; entwickeln konnte. Die Auftriebskräfte eines erheblichen Nachholbedarfes haben dann aber alle Zweige der Textil- und Bekleidungswirtschaft mit unterschiedlichem, doch stetig wachsendem Erfolg zu Exporten befähigt, über die nachfolgende Zahlen eine Vorstellung vermitteln:

wenn auch mit den aurgeruhrten Ergebnissen Textilien und Bekleidung die erste Stelle unter den Verbrauchsgütern im Export einnehmen, so beträgt ihr Anteil doch nur etwa 8 v. H. an derGesamtausfuhr des ersten Halbjahres 1951 und lediglich 6,4 v. H. vom Gesamtumsatz der Textil- und Bekleidungsindustrie im Juni 1951. Dieses Ergebnis mag für einen Gewerbezweig mit rund 800 000 Beschäftigten, der noch dazu

80 v. H. seines Rohstoffbedarfes im Ausland eindecken muß und besonders auf Devisenverfügbarkeiten aus Exporterlösen angewiesen ist, bei flüchtiger Betrachtung wenig befriedigen. Dennoch muß der im ersten Halbjahr 1951 erreichte Ausfuhrerfolg, der im August eine weitere Steigerung erfahren hat (112,6 Mill. DM), als ein anerkennenswertes Ergebnis bezeichnet werden, dessen Aufrechterhaltung bei der internationalen Absatzkrise und der schärfer werdenden Konkurrenz an den Auslandsmärkten in den nächsten Monaten noch weit größere Anstrengungen erfordern wird. Denn zu den schwierigen Ausgangspositionen kommt hinzu, daß die deutsche Textilwirtschaft gegenüber ihrer ausländischen Konkurrenz durch die spezielle wirtschaftliche Situation der Bundesrepublik erheblich benachteiligt ist. Die Devisenlage der Bundesrepublik erlaubt es heute noch nicht, der deutschen Textilwirtschaft in gleicher Weise die Möglichkeit zur Ausnutzung der günstigsten Rohstoff-Einkaufsgelegenheiten zu geben, wie sie die ausländische Konkurrenz fast ausnahmslos hat. Darüber hinaus sind der Industrie in den wichtigsten Konkurrenzländern steuerlich: Vergünstigungen eingeräumt, die in krassem Gegensatz zu den hohen deutschen Belastungen stehen. Werden auch noch die höheren Kreditkosten und die Kohlenbeschaffungsschwierigkeiten in Rechnung gestellt, so ergibt sich für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie eine Vorbelastung im internationalen Konkurrenzkampf, die erst jetzt, da der Preis für den Absatz wieder entscheidend ist, zur vollen Auswirkung gelangt. Die deutsche Textilindustrie kommt auf diese Weise in eine kalkulatorische Zwangslage, aus der sie sich durch eine großzügigere Preispolitik auf dem Inlandmarkt um so weniger befreien kann, als auch hier durch Zurückhaltung der Käufer und Kreditrestriktionen ein Absatzdruck entstanden ist. Es ergibt sich daraus aber auch zugleich die Aufgabenstellung für die deutsche Textilwirtschaft: in noch stärkerem Maße als bisher den Qualitätsgedanken in den Vordergrund zu stellen.

The export achievements of the German textile and garments industry can only be fully appreciated when considering the difficult conditions under which they were reached and must be attained in future. At the end of the war most of the factories were destroyed or damaged and for a variety of reasons the Output could not be exported at first. Only after the monetary reform it was possible again to meet the international competitors. Although textiles and garments rank first among the consumer goods exported from Western Germany their share is only 8 per cent of the total German exports of the first half of 1951 und only 6.4 per Cent of the total sales of the German textile and garments industry in June 1951. At first sight this result may be not very satisfactory for an industry employing 800,000 persons and compelled to Import 80 per cent of its raw material requirements. Nevertheless, the export success achieved during the first half year must be called a commendable result. In view of the present international sales crisis and the growing competition its maintenance will require still greater efforts during the coming months.