Daß in Großbritannien die Sozialisierung des Kohlenbergbaues nicht zu den erhofften Erfolgen, sondern zu einer bitteren Enttäuschung bei Labour-Party und Gewerkschaften geführt hat, ist in allen Kohle fördernden Ländern längst bekannt. Aber in Deutschland setzen sich die Verteidiger einer sozialisierten Bergbau Wirtschaft dennoch immer wieder mit den britischen Maßnahmen auseinander und münzen sie gern in einen Erfolg für ihre Enteignungspläne um. Jetzt beschäftigt sich das amtliche Organ der Industriegewerkschaft Bergbau, „Die Bergbauindustrie“, mit dem britischen Beispiel und spricht im Sinne der Gewerkschaften von einem Erfolg.

Im Mai 1947 wurde der britische Bergbau, verstaatlicht. Das Jahr 1948 brachte eine Förderung von 210 Mill. t, 1949 waren es 215 Mill. t, 1950 dann 216 Mill. t, und 1951 soll es wieder so ähnlich werden. Der Steigerungssatz schwankt also zwischen 1 und 5 Mill. t im Jahr, d. h. zwischen 0,5 und 2 v. H. Da sich aber im gleichen Zeitraum sowohl das Volumen der Weltwirtschaft wie das der britischen Produktion wesentlich vergrößert hat, ist unabhängig von jener praktisch nicht ins Gewicht fallenden mengenmäßigen Erhöhung de facto ein relatives Zurückbleiben zu vermerken. Diese deprimierende Entwicklung hatte ja Britannien dazu veranlaßt, sämtliche Kohlenexporte zu sperren, die ausländische Kundschaft auf das Ruhrgebiet aufmerksam zu machen und somit eine die Zahlungsbilanz Englands überaus belastende, nur auf die Binnenwirtschaft gerichtete Kohlenwirtschaft zu betreiben.

Inwiefern aus dieser Lage ein Erfolg herausgelesen werden kann, ist unerfindlich. Es gelingt vermutlich auch den Fürsprechern nicht. Deshalb ziehen sie noch andere Argumente heran. Ein Vergleich der Förderleistung je Mann zwischen dem ersten Nachkriegsjahr 1946 und 1950 soll besser blenden. In dieser Zeit sei, so heißt es, die Jahresleistung je Mann von 260 auf 294 t gestiegen. „Diese günstige Entwicklung der Förderung wäre unter keinen Umständen erreicht worden, wenn der Kohlenbergbau im Besitze des privaten Kapitals geblieben wäre.“

Dieser Satz ist uns nicht wegen der damit beleuchteten englischen Verhältnisse interessant, sondern wegen seines Standortes im amtlichen Organ der IG Bergbau. Wir erinnern, daß In Deutschland der seit Jahren unternommene Versuch, die Förderleistung je Mann zu steigern, nur geringe Erfolge aufweist. Selbst vorzügliche Vorschläge zahlreicher Zechenleitungen, auf verschiedene Weise das Kohle-Brechen für den einzelnen Mann leichter und im Lohn erfolgreicher zu gestalten, scheitern immer wieder an grundsätzlichen Erwägungen und Gegeneinflüssen der Gewerkschaft Bergbau. Langfristige Beobachtungen dieser – im echten Sinne des Wortes – unterirdischen Gegenströmungen verdichtet die Auffassung, daß in Sachen Kohlenförderung sozialistische Oppositionspolitik getrieben wird. Die Wirtschaftspolitik Erhard-Adenauer soll eben keine Erfolge aufweisen, ist die Absicht der wirtschaftspolitischen Opposition. Am Hebel Kehle wird Krisensteuerung eingestellt.

Das Zitat aus der „Bergbauindustrie“ vom 6. Oktober rundet das Bild ab. In diesem Winter werden in Parlament und Öffentlichkeit die Sozialisierungsvorschläge der SPD und der Gewerkschaften bezüglich Kohle und Stahl bekanntgegeben werden-. Die entsprechenden Entwürfe schlummern seit einiger Zeit in den Schubkästen. Aber erst muß die Bevölkerung richtig frieren und soll dann das Sozialisierungsversprechen als Sonnenstrahl empfinden.

Eine Sozialisierung der Kohle, würde sie gesetzlich verankert werden, müßte über kurz oder lang ihre Erfolgsbilanz aufweisen. Denn ein Erfolg in Kohle soll Eisen, Stahl, Chemie, Banken, Versicherungen, Schiffahrt und Verkehr hinterherziehen. Man braucht politisch für die „Optik“ der Beweisführung – siehe England – den Anstieg der Tagesförderung und Einzelleistungen erst nach dem Sozialisierungsgesetz, „denn dann wissen ja die Bergmänner endlich, wofür sie schaffen!“

Die Industriegewerkschaft Bergbau hat die Katze aus dem Sack gelassen. Wir aber meinen, die Bergleute an der Ruhr würden dann für ein ähnliches System schuften, wie die Kumpels im sozialistischen Uranbergbau im Erzgebirge. Doch das wird natürlich jetzt noch nicht gesagt ...