Wer jetzt die hohen, trefHich belichteten nd proportionierten Räume der "Kunsthalle" gegenüber dem Hauptbahnhof ReckEnghausen durchwandert, der wird feststellen können, daß der "junge westen" für seine Jaiiresschau 1951 beträchtliche und erfolgreiche Anstrengungen unternommen hat. Man hat mittels einer schärferen Jury provinzielle Belanglosigkeiten auszuschalten gesucht und hat anderseits, um die dann naherückende Gefahr einer gewissen Eintönigkeit zu vermeiden, die geographische Fixierung "Westen" großzügig bis in den äußersten Süden erweitert. So kam man mit Eleganz an dem Odium des Sektiererischen vorbei. Denn es liegt ja nur allzu nahe, daß eine Künstlergruppe, deren Kern sich durch nachbarliche und freundschaMic&f, Bande immer wieder wechselseitig anzuregen und anzuspornen pflegt, um so rascher die Gewohnlseiten einer Sekte anzunehmen geneigt ist, je mehr sie auch "prinzipiell" auf die Einhaltung einer Richtung" Wert legt. Daß diese Richtung hier; in einem Klima, das sich zuvörderst aus kr dringlichen Bewältigung einer industriell deformierten Umwelt bestimmtj ganz vorwiegend zu einer heftigen Abstraktion tendiert — das vermag keinen Einsichtigen Wiunderzunehmen. Mit einer genüßlich gepflegten "peinture" — mag sie nun aus der kapriziösen Küche etwa eines Dufy oder aas den antikisierenden Zwischenepochen Picassos sich herleiten — ist "Welt", im weitesten Sie<ne, hier einfach nicht in den Griff zu bekommen. Dieses Versagen wurde jüngsthin, an allen gutgemeinten Versuchen, immer wieder ersichtlich. Technik ist eben kein Motiv der "paysage", sondern ein Die blanke, harmonisch distanzierte Schilderei allerdings wird so völlig verunmöglicht. Es muß ein echtes Erschrecken — vor allem Anfang — ersichtlich werden. Ohne Erschrecken kein "Bild". Das Bild ist erst die Antwort — in "Form" gebrachte Antwort. Läßt man sich darauf ein, so vermag man hier eine ganze Reihe diskutabler, ja einleuchtender Antworten zu vernehmen — zuvörderst von Seiten der beiden Preisträger (des Preises der Stadt Recklinghausen). H. A. P. aus als wesentliche Akzente im Feld der gesamten Ausstellung ersichtlich! Grieshabers Holzschnitte entstehen aus dem Ubereinanderdrueken vieler Farbplatten in Ölfarben. Es wird eine merkwürdige Schwebe aus Farb Gründten und einer hölzernen Flächigkeit angezielt; Schweres gerät in die Schwebe; die durchaus gegenständliche Ausdrucksschwere — ein unverhohlenes Erbteil des Expressionismus von ehedem — wird überführt in eän weniger pathetisches System: der Bildausschnitt schiebt sich näher heran. Fernes wird nahe gezeigt und ergibt eine merkwürdige "Schönheit" der Nahsicht. Dem reihen sich Meistermanns neue Lichos durchaus gleichwertig an; auch sie sind kein puren Floskeln der Abstraktion, ebensowenig wie die biblisch bestimmten "Visionen" der M L. Rogister. Deppe nimmt seine Zeichen direkt aus dem Gestänge der Industrie, Fördergerüste scheinen da in einem unterirdischen "Meer" von Kohle zu schwimmen. noch die spirituelle Klammer. Auch Trier, nende Auskunft. Hermanns aber beweist mit einem teils pflanzlich organischen, teils kühn Moore zu kopieren, die Abenteuer, die im Stein liegen, auskundschaften kann — Die Preisvertetumg fand einmütigen Beifall aller Interessierten — was, traun, in der Kunstwelt nicht sehr häaäg vorkommt.