Um sechs ging ich in der Dämmerung zum Briefkasten und warf meine Post ein, und auf dem Rückweg trat ich in den großen Delikatessenladen und kaufte eine Flasche Rotwein, den leichten angenehmen Tiroler; denn es könnte doch sein, daß du heute abend kämest. Ich öffnete die Flasche und stellte sie nahe dem Ofen auf die Erde, aber nicht zu nahe.

Ich machte mir ein paar Notizen und Auszüge für das Seminar am nächsten Tag, es wurde halb acht, ich aß ein wenig Brot und Obst. Dann legte ich die frische weiße Decke auf, die aus irischer Spitze von der Großmutter, stellte die Gläser zurecht und ein Schälchen mit Salzgebäck. Dann las ich die Zeitung, ich war ruhig und voller Erwartung. Als es kurz darauf dreimal klingelte, mein Zeichen, war ich gar nicht erstaunt, ich hatte ja damit gerechnet, daß du kommen würdest. Dann war es Lore.

Store ich? fragte sie, und ich antwortete: Gar nicht. Komm nur herein, willst du ablegen?

Nein, danke, sagte sie. Ich wollte nur fragen, ob du neulich mitgeschrieben hast beim Jungen Goethe‘ und ob du – o je, sagte sie, und blieb auf der Schwelle stehen, du erwartest ja Besuch, warum hast du das nicht gleich gesagt.

Wie sollte ich ihr erklären, daß ich doch gar nicht weiß, ob du heute kommst.

Ich erwarte niemand, sagte ich. Willst du ein Glas Wein?

Nein, ich gehe ja gleich wieder. Und sie setzte sich. Ich holte das Kollegheft vom Schreibtisch und legte es ihr hin.