Familien-Ausgleichkasse – plötzlich ist diese „neue Sache“ durch einen Gesetzesentwurf der CDU aktuell geworden. Dem Grundgedanken, Familien mit mehreren Kindern durch Kinderzulagen zu helfen, wird man von allen Seiten zustimmen. Es kann kein Zweifel sein, daß bei nichtselbständigen Arbeitnehmern der Lebensstandard der Familien mit mehreren Kindern und der Lebensstandard der Unverheirateten, der kinderlosen oder kinderarmen Ehepaare in einer unerfreulichen Weise auseinanderklafft,

Familien-Ausgleichkassen müssen aber unter allen Umständen so organisiert sein, daß der Einzelbetrieb an dem Familienstand seiner Arbeitnehmer finanziell desinteressiert ist. So kann man auch dem Gedanken des Gesetzesentwurfes, die Ausgleichkassen innerhalb der einzelnen Industriezweige einzurichten und – um „offene liche Bürokratie“ zu vermeiden – in Selbstverwaltung zu nehmen, durchaus zustimmen. Soweit alles schön und gut, aber – wer soll das bezahlen? Der CDU-Gesetzesentwurf sieht vor, daß die Mittel allein durch die Unternehmer aufgebracht werden sollen. Man glaubt, mit einem Satz bis zu 2 1/2 v. H. der Lohnsumme genügend Mittel bereitzustellen, wenn man Kinderbeihilfen, beim dritten Kind einsetzend, mit 20 DM je Kind und Monat vorsieht. Diese einseitige Belastung der Unternehmer kommt einer allgemeinen Lohnerhöhung gleich, die per Saldo für die deutsche Wirtschaft mehrere hundert Millionen DM „Konsumgeld“ im Jahre ausmacht, ohne daß dieser Summe ein entsprechender produktiver Gegenwert entspricht.

Die Kassen sollen ja Ausgleichkassen sein – aber ist der Ausgleich nach dem CDU-Rezept nicht recht einseitig? Der Ausgleich ist vollständig und sinnvoll erst dann, wenn das, was der Familie mit Kindern gegeben wird, dem Unverheirateten (und dem Ehepaar ohne Kinder) entsprechend genommen wird. Was früher die in sich geschlossene Familie tat – daß nämlich der Junge und Arbeitsfähige für Alte und Kinder sorgte – das sollte heute, da die „Großfamilie“ nicht mehr in alter Form existiert, dennoch Grundprinzip bleiben. Die soziale Hilfe sollte in dem Sinne gegenseitig sein, daß vor allem der junge, gut verdienende Mensch von seinem Verdienst abgibt. Er versichert sich gewissermaßen durch Beiträge in die Familien-Ausgleichkasse für den Abschnitt seines Lebens, in dem er, selbst Familienvater, wegen Kostenbelastung für die Kindererziehung seinen Lebensstandard aus eigener Kraft nicht aufrechterhalten kann.

Hier ist auf einen Tatbestand’ hinzuweisen, der merkwürdigerweise in der Öffentlichkeit bisher nicht hinreichend beachtet worden ist: das verhältnismäßig hohe Einkommensniveau der jugendlichen Arbeiter (und Arbeiterinnen) nach Durchführung des Grundsatzes des Leistungslohns. Ein Facharbeiter erreicht die Fertigkeiten in seinem Beruf etwa mit 20 Lebensjahren. Von diesem Zeitpunkt an hat er annähernd das Maximum an Einkommen erreicht, das ihm während seines ganzen Berufslebens jemals erreichbar ist d. h., er verdient dasselbe Einkommen für sich allein, mit dem er später einmal einen Hausstand mit Frau und Kindern unterhalten soll. Um die Größenordnung der Arbeitseinkommen von Jungarbeitern zu verdeutlichen, sei eine Zusammenstellung aus einem Industriebetrieb angeführt dessen Tarifsatz im oberen Drittel der gegenwär tig gültigen Tarife liegt.

Durchschnittliche Monats-Bruttoverdienste

(in DM)

16–18 18–20 über 20