Die längst erwartete Neuregelung für den Holzmarkt ist endlich erfolgt. Der Erlaß „betr. Rohholzpreise“ wurde mit Wirkung vorn 1. Oktober aufgehoben. Was nun an dessen Stelle treten soll, ist weniger klar und in einem etwas geheimnisvoll gehaltenen Vorwort zum neuen Erlaß enthalten. Es besagt etwa folgendes: 1. Es sind „verbindliche Vereinbarungen“ mit den Forstverwaltungen der Länder und den Vertretern des Waldbesitzes getroffen worden derart, daß sich die Preise von Nadelstamm-, von Gruben- und von Nadelfaserholz „in volkswirtschaftlich tragbaren Grenzen“ halten werden; 2. der Waldbesitz hat eine etwaige Regelung für politisch und sozial besonders gelagerte Fälle zugestanden; die (niedrigen) Brennholzpreise bleiben unverändert; 3. eine verstärkte Preisüberwachung durch die staatlichen Forstverwaltungen, die sich nicht nur auf den Waldbesitz, sondern auch auf den Holzhandel und die holzverarbeitende Industrie erstrecken soll, wird angekündigt.

Unterdessen sind nun einige positive Daten, die eine Stellungnahme überhaupt erst möglich machen, durchgesickert. Als obere Preisgrenzen sind nämlich festgesetzt: bei Grubenholz 150 v.H. der Landesmeßzahlen, bei Nadelfaserholz 160 v. H. und bei Nadelstammholz 180 v. H. Die Preise sind demnach um 30 bis 40 v. H. gegenüber den bisherigen erhöht. Wenn auch die Wünsche der staatlichen Forstverwaltungen und des Waldbesitzes auf völlige Freigabe der Preise, nicht erfüllt sind – nur politische Gründe haben Bonn daran gehindert –, so wird die Neuregelung doch von allen Stellen, die das Gesamtinteresse der deutschen Holzwirtschaft im Aug? haben, als Fortschritt empfunden. Das westdeutsche Preisniveau wird dem des Weltmarkte? angenähert. Die Grenzen, in denen sich bisher der Schwarze Markt bewegt hat – sei es ohne viel Versteckspielen, sei es getarnt durch den sogenannten Sortenschwindel oder andere Umgelungen der legalen Preise –, sind zumindest enger geworden. Die unbedingt notwendigen Importe, die bislang durch das tiefe Niveau der Inlandspreise künstlich, zurückgehalten waren, sind erleichtert.

Natürlich hängt nun viel von der Preisdisziplin der Holzwirtschaft ab. Preisverstöße der staatlichen Forstverwaltungen und des Großwaldbesitzes sind ohnehin, schon wegen der Vielzahl der „Mitwissenden“, kaum von irgendwelcher Bedeutung. Anders beim Kleinwaldbesitz. In Bayern zum Beispiel liegen 43 v. H. des gesamten Forstes in Händen des privaten (hauptsächlich bäuerlichen) Kleinbesitzes. Es sind weniger überhöhte Preisforderungen, als vielmehr überhöhte Preisgebote, die das gesetzliche Preisgefüge bedrohen, da finanzkräftige Firmen – für gewisse Sortimente – noch immer fast jeden Preis bezahlen.

Negativ reagiert haben auf die Neuregelung lediglich die Zellstoff- und Papier-Interessenten. Von etwaigen Verlusten ist auch bei ihnen nicht die Rede, aber ihre Verdienstspanne sinkt. Ihre günstige Lage – niedriggehaltene Holzpreise bei frei nach oben tendierenden Papierpreisen – hat sich zweifellos verschlechtert. Bei den anderen Verarbeitern werden keine bedeutsamen Änderungen erwartet. Die Bauwirtschaft hat schon seit langem Holz zu legalen Preisen nicht mehr bekommen.. Die geringe Preissteigerung des Grubenholzes schlägt bei der Kohle nicht zu Buche, da auf Holz nur 5 v. H. der Gestehungskosten entfallen. – Am Rande sei noch bemerkt, daß die Entwicklung der Abfallholzverwertung (Span- und Faserplatten) stürmisch aufwärtsgeht.

Wie jede holzwirtschaftliche Maßnahme, so ist auch die neue Preisregelung für Bayern von besonderer Bedeutung; nach Ausfall des deutschen Ostens beträgt der Anteil Bayerns am deutschen Holzeinschlag 32 v. H. und überragt damit den aller übrigen deutschen Länder. W. v. T.