Der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Schuhindustrie, Otto Weigel (Frankfurt), stellte auf dem Ersten Deutschen Schuhfabrikantentag nach dem Kriege in Wiesbaden (11. bis 13. Oktober) fest, daß ein Wirtschaftszweig, der lediglich für zwei Monate (Schweiz 8 bis 14 Monate) Lagervorräte habe, sich nur kurzfristig eindecken könne und bei einem verzeichneten Materialanteil von 60 v. H. (Lohnanteil 15 v. H.) die ständigen Preisschwankungen mit wachsendem Unbehagen spüre. Mit den Kreditrestriktionen stehen die insgesamt 1043 Firmen der Schuhindustrie (Jahresumsatz 1950 rund 1,2 Mrd. DM), von denen 210 bis zu 9 Beschäftigte, 466 zwischen 10 und 49, 183 zwischen 50 und 99, weitere 159 dann 100 bis 499, 12 zwischen 500 und 1000 sowie 13 mehr als 1000 Beschäftigte zählen, auf Kriegsfuß. Die „optimale Wirkung“ dieser Maßnahme sei nun erreicht, meinte Weigel, und an einen Kaufkraftüberschuß sei nicht recht zu glauben. Also: Schluß mit der Beengung des Kapitalmarktes, die gerade in den letzten fünf Monaten schwer zu schaffen gemacht habe. Aufwandsteuer? Nein. Investitionshilfe? Ja, wenn es bei einmaliger Leistung bleibt. Im übrigen fürchtet man nachteilige Überraschungen in Zusammenhang mit der avisierten „organischen Steuerreform“ (Netto-Produktionssteuer), die die Phase der Unsicherheit verlängerten.

Die Fortschritte des Wiederaufbaus in der Schuhindustrie seit 1945 lassen sich an den Export- und den Produktionsziffern ablesen. 1948 fertigte man etwa 40,7 Mill. Paar, 1949 (durchschnittlich 73 400 Beschäftigte) fast 72 Mill., 1950 mit 81 650 Arbeitskräften (Jahresmittel) annähernd 80,9 Mill. und im ersten Halbjahr 1951 (90 200 Personen) rund 41 Mill. Paar Schuhe aller Art. Aber; im zweiten Quartal 1951 blieb die Produktion mit 18,7 Mill. Paaren (88 400 Beschäftigte und 35,3 Arbeiterstunden) hinter der des ersten Vierteljahrs von 22,3 Mill. (92 000 Personen und 43 Mill. Arbeiterstunden) zurück. Der weitere Rückgang um 36,8 v. H. im Juli auf einen Index von 42,5 (1936 = 100) nach 67,2 im Juni, 80,3 im Mai und 91 im April 1951 (54,5 im Juli 1950) konnte im August auf Grund der Erhöhung auf 64 als gestoppt gelten.

Die Exportkurve führt von 67 866 Paaren 1950 (Wert 1,297 Mill. DM) über 82 205 Paar (1,705 Mill.) im ersten und 126 566 Paar im zweiten Quartal 1951 (2,708 Mill.) zu 64 204 Paaren für 1,399 Mill. DM im Juli. Demgegenüber wurden 1950 insgesamt 565 587 Paar Schuhe im Werte von 12,8 Mill. DM importiert, im ersten Quartal 1951 noch 105 301 Paar (2,665 Mill.), im zweiten jedoch lediglich 66 467 (1,744 Mill.) und im Juli 5087 Paar für 196 000 DM. H. B.