Der Plan, beim Lastenausgleich die Aktien in die Vermögensabgabe einzubeziehen, ist schon oft erwogen und immer wieder wegen der Doppelbelastung des Aktionärs verworfen worden, der durch die Abgabe bei den Gesellschaften indirekt mitbetroffen wird. Wenn diese Frage noch einmal aufgerollt wird – diesmal von Dr. Bertram, Zentrums-Abgeordneter des Bundestages – dann hat dabei offensichtlich der erhebliche Kursanstieg der Aktien eine Rolle gespielt.

Dr. Bertram schlägt vor: Einziehung von 20 v. H. der Industrieaktien, Kuxe und sonstigen Anteile an Kapitalgesellschaften; Ausgabe neuer Aktien unter Einräumung eines Bezugsrechtes an die derzeitigen Aktionäre. Die so entstehende Belastung sollen die derzeitigen Aktionäre in Höhe von 20 v. H. ihres Einkaufpreises an ihre Veräußerer weitergeben, die nun ihrerseits das gleiche wiederholen. Dieser Vorgang müßte dann bis zu demjenigen zurückgehen, der das Papier am 21. Juni 1948 besaß..

Eine solche Prozedur macht keine Schwierigkeiten, wenn die Aktien in einer Hand geblieben sind. Aber wie steht es, wenn sie seither oft ihren Besitzer gewechselt haben? An „heißen“ Börsensagen geschieht es erfahrungsgemäß innerhalb 24 Stunden mehrmals. Deswegen sind die Bedenken der Banken gegen diesen Gesetzentwurf, der eine Nachforschungstortur notwendig macht, nicht von der Hand zu weisen. Der Zeit- und Arbeitsaufwand dürfte in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Und was soll werden, wenn Aktien inzwischen in ausländische Hände übergegangen sind? Wird man die Ausländer veranlassen können, einen Teil ihres Eigentums herauszugeben? Die Entschädigungsfrage durch den Veräußerer bleibt auch deswegen eine heikle Angelegenheit, weil man nie wissen kann, ob dieser überhaupt noch zahlen kann.

Und noch etwas erscheint bedenklich: Neben der 20prozentigen Aktieneinziehung soll auch der auf diesen Teil entfallende Kursgewinn abgeschöpft werden. Dadurch bricht man beim Lastenausgleich mit dem bisher von niemand angefochtenen Grundsatz, daß nur der Vermögensstand vom 21, Juni 1948 zur Abgabe herangezogen werden soll. Die Einziehung der später eingetretenen Gewinne, die durch die schnelle Aufwärtsentwicklung der Aktienkurse seit der Währungsreform angefallen sind, bedeutet eine Ausdehnung der Abgabepflicht auf eine neue Zeitspanne. Logischerweise müßten dann auch alle anderen irgendwo nach dem Währungsstichtag entstandenen Gewinne auf ihre Verwendbarkeit beim Lastenausgleich geprüft werden. Dann käme die westdeutsche Wirtschaft noch lange nicht zur Ruhe! –ndt.