In den letzten Tagen ist der Dollarkurs an der Schwarzen Börse in Paris von 410 auf 440 ffrs für einen US-$ gestiegen. Die Regierung hat drastische Maßnahmen angekündigt. Gerüchte um eine bevorstehende Franc-Abwertung. wollen trotz offizieller Dementis nicht verstummen.

J. H., Paris, im Oktober

Der französische Franc hat im internationalen Währungssystem eine Ausnahmestellung. Frankreich hat sich 1948 zum mobilen Währungskurs entschlossen, und zu diesem Zeitpunkt wurde in Paris ein freier Devisenmarkt organisiert, auf dem US-Dollar, schweizerische und belgische Francs, portugiesische Escudos und kanadische Dollars frei gehandelt werden. Diese Freiheit war allerdings relativ, denn zum freien Devisenmarkt haben nur Käufer und Verkäufer Zutritt, die von der amtlichen Devisenzentrale dazu ermächtigt werden. Überdies wacht der französische Stabilisationsfonds darüber, daß sich Angebot und Nachfrage ausgleichen und größere Kursschwankungen unterbleiben, indem von offizieller. Stelle Devisen auf dem freien Devisenmarkt angeboten oder verkauft werden. Der US-Dollar erreicht so auf dem offiziellen Markt den Kurs von 350 Francs, die Kursschwankungen betragen selten mehr als einige Centimes.

Nach französischen Auffassungen hat sich das mobile Währungssystem durchaus bewährt, und dieser Erfolg könnte nach Ansicht sehr gut informierter Kreise dazu führen, daß der freie Devisenmarkt in Paris noch mehr Freiheit erhält als bisher und den offiziellen Kurs des US-Dollars über 350 Francs festsetzt. Dank seiner besonderen Situation gegenüber Bretton Woods ist Frankreich nicht genötigt, ein derartiges Vorhaben bei dem Internationalen Währungsfonds anzumelden; es kann den Kurs des Franc abgleiten lassen bis z. B. der offizielle freie Dollarkurs von 350 Francs den Dollarkurs auf der Schwarzen Börse, der gegenwärtig 440 Francs betagt, erreicht hat. Ein derartiges Abgleiten würde einer Abwertung gleichkommen. Die Voraussetzungen für diese Kursangleichung sind längst gegeben, und die Abwertung im Lande selbst, erscheint sehr vorgeschritten. Der innere Wertrückgang des Franc wird durch den Vergleich der Preishausse in allen Ländern offensichtlich. Die Preissteigerungen der lebenswichtigen Produkte erreichte seit dem Koreakonflikt in Frankreich 30 v. H., in der Schweiz 3 v. H., in den USA 9 v. H. und in England 12 v. H. Vergleicht man die Entwicklung der Engrospreise seit Ende 1949 bis Juli 1951, dann stellt man fest, daß sie in Frankreich um 32 v. H. in die Höhe gingen, in Deutschland um 25 v. H., in der Schweiz um 14 v. H.

Eine Ausweitung des Exportes ist infolge der hohen französischen Produktionskosten und der überbewerteten Währung unmöglich. Eine Entwertung, die auf „kaltem“ Wege erfolgen würde, d. h. durch langsames Gleitenlassen des Franc auf dem freien Markt bis zu einem neuen, im voraus bestimmten Niveau, könnte, nach Ansicht der Pariser Finanzexperten dem sichtbaren und unsichtbaren Export einen bedeutenden Aufschwung verleihen und der Wirtschaft neue’Absatzmöglichkeiten bieten. Daß aber eine Kursangleichung des Franc im Lande selbst durch Preiserhöhung der Rohstoffe und dem Ansteigen der Lebenshaltungskosten starke wirtschaftliche Störungen hervorrufen würde, ist klar. Indessen zeigt der Wettlauf zwischen Preis und Lohn in Frankreich starke inflationistische Tendenzen, die bei gleichbleibender Entwicklung bald zu einer Abwertung in dieser oder jener Form führen müssen.