Hinter der Tür des Zimmers 215 des Landgerichts zu Bonn sitzen zwei Staatsanwälte, die mit der Bearbeitung des Falles Platow beschäftigt sind. Noch weiß niemand, wie sie den Prozeß führen werden. Noch weiß niemand, welche Dinge sie zur Sprache bringen wollen. Einer von ihnen, der Staatsanwalt Dr. Schwellnus, ist erst kürzlich „aus Anlaß des Geschäftsandranges“ nach Bonn abgeordnet worden. Zuvor arbeitete er in Köln...

Der Pressechef der SPD, Fritz Heine, ist davon überzeugt, daß, abgesehen vom Gerichtsverfahren, im parlamentarischen Untersuchungsausschuß „allerlei“ herauskommt. „Wenn Platow nicht auspackt, dann packen wir aus“, sagt er und wippt auf seinem Sessel hin und her. Allein auch die konkretesten Fragen werden wirkungslos bleiben, wenn der Angeklagte schweigt, „Und Platow wird schweigen“, so sagte ein ausländischer Diplomat, „wenn er nicht verknackt wird. Das ist in allen Demokratien so...“

Was ist nun eigentlich die Moral von der Geschieht’? Sicherlich dies: Man sollte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und nun meinen, alle Beamte und alle Angestellten seien bestechlich. Die Tatsache, daß keiner der alten, gewissermaßen gelernten Beamten, mit in die Affäre verwoben ist, sollte im Gegenteil dazu beitragen, den korrekten, oft pedantischen Typ des alten Beamten lieber zu preisen anstatt ihn zu bespötteln. Die flotten aber, die mit den großen Gewissen, die sollte man schonungslos ermitteln, gleichgültig ob es Minister oder Angestellte sind, und auf ihre weitere Mitwirkung verzichten. – Und was man noch tun sollte: man sollte die Presse vernünftig informieren. Das gehört nun einmal dazu. Nur wenn, wie dies in Bonn der Fall ist, an höchster Stelle alles vor der Öffentlichkeit geheimgehalten wird, dann verfällt diese auf den nicht fernliegenden Gedanken, sich die Informationen hintenherum zu besorgen – so wie ihr dies manche Politiker vorexerzieren. Und damit wären wir wieder beim Fall Schumacher.