„Es war quälend“, so faßte ein jüngerer ehemaliger Offizier; den Eindruck zusammen, den er in einem Vortrage des kommissarischen Vorsitzenden des „Verbandes deutscher Soldaten“ erhalten hatte. Generaloberst a. D. Frießner sprach am 19. Oktober vor etwa 1000 Mitgliedern des Landesverbandes Hamburg. Nur etwa 20 Prozent der Anwesenden waren unter 40 Jahren. Während Frießner die Älteren offenbar für sich zu gewinnen vermochte, blieben die Jüngeren skeptisch. Sie wurden nicht überzeugt, daß er – wie er von sich selbst behauptete – „der richtige Mann am richtigen Platze“ sei. Viele meinten, Frießner fühle sich zu sehr als „General in der Krise“, der nicht rechts noch links schaue. Er sei allzu überzeugt von der „letzten Aufgabe seines Lebens“, Schützer der Interessen der Frontgeneration zu sein.

Doch zieht man in Hamburg, wie überhaupt in Norddeutschland, nicht so drastische Schlüsse wie in Süddeutschland. Da im Januar die Vorstände des „Verbandes deutscher Soldaten“ ohnehin demokratisch gewählt werden sollen, so möge Frießner, meint man, bis dahin bleiben, um weitere Unruhe zu vermeiden. Dann aber müsse er gehen und durch eine überzeugendere Persönlichkeit ersetzt werden, die das Vertrauen der Jüngeren habe und – auch nicht gleich beim ersten Interview versage. C. E. R.