Rudolf Krämer-Badoni: Der arme Reinhold. Roman (Wolfgang Krüger Verlag, Hamburg, 297 S., Leinen 12,80 DM).

Eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt, zeigen Umschlag und Einband von Rudolf Krämer-Badonis, des Rheingauers, neuem Roman. Wer sich nichts vorspiegelt, kommt immer wieder am Anfang an; nur wer vor sich selbst flieht, glaubt ans Ziel zu gelangen. Der „arme Reinhold“, Theologe gegen das Christentum, ist die lebendige Chiffre dieser Erkenntnis, die aus Redlichkeit alle Moral in Zweifel zieht. Auch die priesterlich-mönchische, sehe, denn die ist Flucht in die Ordnung, und schon gar die bürgerlich-politische, denn die verführt die Menschen, von sich wegzusehen. Aber die Moral des Evangeliums? Sie ist wahr, weil sie unerfüllbar ist. Wer kann wirklich freiwillige Armut üben?

Reinhold Klipp, Beamtensohn, Benediktiner-Theologe, Abt im Rheingau, hat die Illusionen der Bekehrung, des „neuen Adam“, ganz durchmessen und an den anderen studiert (die Figuren dieser anderen weisen Krämer-Badoni als Romancier von hohem Rang aus, die Hauptgestalt als Moralisten von eigenem Blick). Als Holzfäller