John Masters: Dies ist die Nacht (Droemersche Verlagsanstalt, München, 461 S., Leinen 12,50 DM).

Wo bei John Masters geliebt wird, möchte man lieber nicht weiterlesen. Die indische Schwüle ist dem mitteleuropäischen Geschmack etwas zu kompakt. Aber die Qualitäten dieses Indienromans („Dies ist die Nacht“) wiegen einige Seiten Liebe spielend auf. Um die latsache des Sepoy-Aufstandes im Jahre 1857 herum hat der mit allen guten Eigenschaften des geborenen Erzählers ausgestattete britische Kolonialoffizier eine Schilderung des Lebens im Indien vor hundert Jahren gruppiert, die ihre Höhepunkte in den schonungslosen Einblicken in das gesellschaftliche und politische Gebaren der englischen Kolonialherrschaft erreicht. Die Parties mit ihrem Klatsch, die bestechlichen Beamten der Ostindischen Company, die Scheuklappen, die selbst die Verständigen dem fremden und in seinen Geheimnissen unheimlichen Land gegenüber tragen, all das aufzuzeigen, ist eine nachträgliche Selbstkritik, deren Offenheit bestrickt. Die politischen Koordinaten überschneiden sich in Indien heute an anderer Stelle, die menschlichen jedoch werden sich kaum verschoben haben. h. schl.