Mit Dr. Jarres, der dieser Tage bald nach Vollendung seines 77. Lebensjahres starb, ist wieder einer der führenden Männer aus der Zeit der Weimarer Republik dahingegangen. Im November 1923, als es sich darum handelte, den „Ruhrkampf“ zu liquidieren und zugleich, mit der Währungsstabilisierung, auch auf wirtschaftlichem Gebiet einen neuen Anfang zu machen, trat er als Nachfolger Sollmanns in das (zweite) Stresemann-Kabinett als Innenminister ein. Im folgenden Kabinett, das unter dem Reichskanzler Marx bis zum Januar 1925 amtierte, war er als Innenminister zugleich auch Vizekanzler. Dann kehrte er auf seinen Posten als Oberbürgermeister von Duisburg zurück, den er zwei Jahre zuvor, nach Verhaftung und Einkerkerung durch die Belgier, hatte verlassen müssen. Das nationalsozialistische Regime vertrieb ihn im Sommer 1933 erneut durch die übliche „Gleichschaltung“ aus dem Rathaus der Doppelstadt Duisburg-Hamborn. Vorhergegangen war, nach dem Tode Eberts im März 1925, die Episode einer Kandidatur für die Reichspräsidentenschaft.

In den letzten achtzehn Jahren seines Lebens hat sich Dr. Jarres ausschließlich auf wirtschaftlichem Gebiet betätigt und auch hierbei der Stadt Duisburg, die dem aus Remscheid Gebürtigen eine rechte Wahlheimat geworden war, in aller Stille viele gute Dienste geleistet. Besonders eng waren seine Beziehungen, noch aus der Zeit des Gründers und Seniorchefs Peter Klöckner her, mit dem er in treuer Freundschaft verbunden gewesen war, zu den Klöckner-Werken, wo er bis zu seinem Tode als Vorsitzer des Aufsichtsrates wirkte: weitblickend und ausgleichend, ein wahrhaft weiser alter Mann. n.f.