Die Aussprache und Umschreibung fremder Eigennamen ist Glückssache. Sie glückt nicht immer. So hat man sich in Deutschland in drei, vier Schreibarten an dem Namen des iranischen Ministerpräsidenten versucht. Mancherwärts ist man von einem Tag zum andern von Mossadeq zu Mosadek übergegangen, im Rundfunk spricht man sogar Mozadiq. Hatte man sich diese Neuerung überlegt? Hatte man etwa festgestellt, daß die Endsilbe von Mo-sadeq vom arabischen Zeitwort ssáddaq abgeleitet: Gutes tun, Glück bringen bedeutet? Das konnte – so dachte man offenbar – doch Mossaddeq unmöglich sein! Und so wurde er das, was man aus ihm gern machen wollte: ein Wesen mit weichem S, Mo-zadiq, jemand nämlich, der melodramatisch um Gaben bettelt. Welch merkwürdige Verwandlung, daß man aus dem Leiter der Geschicke Irans, während er über dem Ozean schwebte, aus einem Gutesbringenden einen Gabenheischenden machte. H.