Der Kaufmann kommt in der Literatur schlecht weg. Von Ärzten, Industriellen, Soldaten und sogar von Rechtsanwälten erfährt man gewöhnlich auch etwas über ihr berufliches Dasein. Der Kaufmann aber erscheint bestenfalls in der Klischeefigur des reichen Handelsherrn, übersteigert zum Typ des „Königlichen Kaufmanns“, der zu allen Zeiten, auch in den Hansestädten, so selten vorkam, daß man gut daran täte, dieses Epitheton ornans höchstens alle 25 Jahre einmal zu gebrauchen.

Wie das Wesen des Kaufmanns eigentlich beschaffen ist, worin seine Begrenzungen und die höchsten Möglichkeiten seiner Entfaltung liegen, nicht nur im Wirtschaftlichen, sondern auch im Kulturellen – davon erzählt ein kleines Büchlein, betitelt „Wägen und Wagen“ von Cornelius Witt (Hans Köhler Verlag, Hamburg, 100 S.). Der Verfasser ist der Sohn eines Hamburger Kaufmanns und hat also von zu Hause einiges von der Atmosphäre dieses Berufes mitbekommen. Er ist aber auch Geschäftsführer einer Handelsorganisation gewesen und weiß deshalb mehr von der Berufung eines Kaufmanns und seiner Einstellung zur Umwelt – nicht zuletzt zu den Beamten – auszusagen sowie eine gründlichere Rechtfertigung seines Handelns zu geben, als dies die meisten Kaufleute zu tun vermöchten. Ein bißchen Theorie über die Grundlagen seines Seins zu vernehmen, tut aber gerade dem Kaufmann – dem jüngeren ebenso wie dem älteren – gut, zumal wenn dies mit so liebenswürdigem Humor geschieht, wie in genanntem Büchlein. Über Handelsspannen und Gewinn, über die Ordnung der Märkte, über die besonderen Aufgaben des Kaufmanns im Außenhandel wie über das schmerzhafte Verhältnis des Kaufmanns zur Bürokratie plaudert Dr. Witt in so eleganter und gewinnender Diktion, daß man gar nicht merkt, wie sehr hier ein Fachmann spricht – im Volk der Fachleute ein ungewöhnlicher Vorgang. Aber auch der Nichtfachmann wird an diesem Büchlein seine Freude haben und daraus manchen Gewinn ziehen – da denn das Gewinnstreben durchaus nicht nur dem Kaufmannstum verhaftet zu sein braucht, wie man landläufig, aber falsch, anzunehmen geneigt ist. R. Stephan

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Auch in den ersten Nachkriegsjahren wurde schon über eine Auswanderung aus Europa in die überseeischen Länder (zu Nutz und Frommen beider Teile) gesprochen und in der Weltpresse geschrieben, doch hörte man damals nur von auswandernden DP’s, Italienern usw. Die Tatsache dagegen, daß in Westdeutschland neun bis zehn Millionen deutsche Vertriebene sind, war der Weltöffentlichkeit praktisch unbekannt. Das ist inzwischen etwas besser geworden, und es ist begrüßenswert, daß man auch im Ausland die soziologische Struktur Deutschlands als europäisches Problem ernsthaft zu diskutieren beginnt. In der Verlagsbuchhandlung Martinus Nijhoff, Den Haag, Lange Voorhout 9, erscheint jetzt ein Buch von H. A. Citroen „European Emigration Overseas Past and Future“ (Preis: 2,50 hfl.), das einen internationalen Plan für die Auswanderung aus Europa fordert. Die deutsche Situation wird im Gegensatz zu früher voll gewürdigt, wobei von Bedeutung ist, daß das Buch, in englischer Sprache vorliegt. C. v. S.

Im Rahmen der interessanten Schriftenreihe der Berliner Verwaltungsschule befaßt sich Heft 6 mit dem „Gemeindlichen Bau-, Siedlungs- und Wohnungswesen“, nachdem die früheren Hefte das Staats- und Verwaltungsleben, das Staatsrecht, das Gemeindeverfassungsrecht und die soziale Fürsorge in Großberlin besprochen hatten. Die Schriftenreihe erscheint in dem bekannten Verlag für Rechtswissenschaft vorm. Franz Vahlen GmbH., Berlin-Lichterfelde-West, Malvenstr. 12 (1 77 S., 3,30 DM). In der großen Reihe der weiteren Neuerscheinungen sind zu erwähnen: die zweite neubearbeitete Auflage HGB (560 S., 11,80 DM), von der der zweite Band (§§ 55 bis 104) kürzlich herauskam. – Weiter ist der umfassende Kommentar „Steuerrecht der Gesellschaften und Konzerne“ von Prof. Dr. Bühler zu nennen (218 S., 14 DM) und schließlich die 4. neubearbeitete Auflage des Standardwerks „Gewerbesteuergesetz“, das die jüngste Entwicklung des Gewerbesteuerrechts und der Rechtsprechung in Westdeutschland und Westberlin berücksichtigt.

Der Verband der Automobilindustrie e. V., Frankfurt/Main, Westendstraße 61, gab sein Mitgliederverzeichnis und einen Bezugsquellennachweis für den Zeitabschnitt 1950/51 heraus. Er erschien in acht Sprachen,

Im Auftrage der Außenwirtschaftsabteilung der Industrie- und Handelskammer Frankfurt/Main gab der Verlag Wirtschaftsdienst, Frankfurt/Main, Goethestr. 29, unter dem Titel „Exportlexikon“ ein ABC für Außenhandel und Auslandskunde heraus. Damit ist der deutschen Exportwirtschaft ein Nachschlagewerk zur Verfügung gestellt worden, das alle Außenhandelsbegriffe klärt, übersetzt und gemeinverständlich kommentiert (272 S., 17,50 DM).