Alle Filmfestivals haben bis jetzt Enttäuschungen für die deutsche Produktion gebracht, und – es sieht nicht aus, als ob es in Zukunft anders werden würde. Vielleicht würde ein Weg aus dieser Kalamität gangbar sein: wenn man sich entschlösse, einmal ganz ohne Rücksicht auf Einspielergebnisse einen Film zu finanzieren, der keinen – anderen Zweck haben soll als den, eine Visitenkarte für Deutschland in Venedig oder Cannes zu sein. Das wäre eine werbende Kapitalsanlage (und vielleicht sogar doch ein Geschäft).

Was die Schweden machen, ist in dieser Hinsicht lehrreich. Da kann der junge Ingmar Bergman in unbekümmerter Rigorosität einen unsentimentalen, unbehaglichen Film nach dem anderen drehen, weil man seiner künstlerischen Potenz Kredit gibt: „An die Freude“ (der jetzt in Frankfurt mit großem Erfolg gezeigt wird), „Hafenstadt“ und nun „Durst“. Dieser dritte, in Hamburg der Presse vorgeführt, hat den großartigen Griff des genialen Outsiders. Die Handlung beginnt dort, wo der Normalfilm endet: bei der Hochzeitsreise. Vierundzwanzig Stunden danach kommt die junge Frau zu der Erkenntnis: „Immer noch lieber in der Hölle dieser Ehe mit dir, als allein.“ Eine unbarmherzige Zergliederung, strindbergisch-sartresk, und so sparsam inszeniert, daß das Gerüst der Seelen ganz bloßliegt.

Bergmans Filme sind keine Gebrauchsfilme. Aber sie zeugen für den Rang der schwedischen Filmkultur – und damit helfen sie zum Export. C. E. L.