Der amerikanische Leitartikler Drew Pearson hat neulich in der „Washington Post“ die Behauptung aufgestellt, daß einer der Gründe für das Stocken der Waffenstillstandsverhandlungen in Korea das Vorhandensein wertvoller Wolf-, ramerzvorkommen sei. Pearson schreibt, „ohne koreanisches Wolfram werden die USA nicht genügend Wolfram haben, um Düsenflugzeuge und panzerbrechende Geschosse zu erzeugen und vor allem den Bedarf der Atomindustrie sicherzustellen.“ Die reichste Wolframerzgrube der freien Welt liege 90 km südlich des 38. Breitengrades bei Sangdon. Einer dpa-Meldung aus Söul ist außerdem zu entnehmen, daß UN-Truppen in der Umgebung von Kumhwa in Mittelkorea ein Bergwerk mit dem für die Atomforschung wichtigen Beryllerz entdeckt hätten:

Beide Meldungen müssen auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht werden; sie liefern nämlich der östlichen Propaganda wertvolles Material für die Behauptung, die Amerikaner zögerten aus rein materiellen Gründen die Waffenstillstandsverhandlungen hinaus und verlangten eine Demarkationslinie nördlich des 38. Breitengrades, um sich in den Besitz dieser wertvollen Bodenschätze zu setzen.

Der Bergbau des dicht besiedelten Korea ist sehr alt. Seit der Eroberung des Landes im Jahre 1895 haben die Japaner, besonders im letzten Jahrzehnt, die Erschließung der Bodenschätze lebhaft vorangetrieben. Es ist wenig wahrscheinlich, daß ihnen so wertvolle Erzvorkommen wie Wolframerz und Beryllerz entgangen wären, Tatsächlich hat die Wolframerzförderung in der jüngsten Zeit einige Bedeutung erlangt. Sie wird für 1938 mit 1930 t oder 6 v. H. der Weltförderung angegeben, stellte sich 1947 auf 2C00 t, 1948 auf 1155 t und 1949 auf 1315 t.

Wenn man berücksichtigt, daß 1944 die Wolframerzförderung der USA, Boliviens, Argentiniens, Portugals, Spaniens und Brasiliens insgesamt nicht weniger als 29 479 t betrug, wobei die USA mit 9 161 t beteiligt waren, und eine Reihe kleinerer Erzeugerländer, wie Australien, Neuseeland, Belgisch-Kongo, Peru, Südrhodesien, Südafrika, Mexiko und Kanada, während des Krieges insgesamt ebenfalls beträchtliche Mengen für die westliche Rüstungsindustrie beisteuerten, so erscheint die Behauptung Pearsons, daß die USA ohne das koreanische Wolframerz Mangel an diesem Stahlveredler leiden würden, etwas erstaunlich. Eine Mobilisierung aller Hilfsquellen, wie in den Kriegsjahren, würde den Westen vom koreanischen (wie überhaupt vom ostasiatischen) Wolframerzvorkommen unabhängig machen.

Noch abwegiger sind offenbar die Meldungen über reiche Beryllerzfunde und sogar eine Beryllmine in Korea. Beryllium, ein seltenes Metall, ist in seiner technischen Bedeutung nicht erst im Atomzeitalter erkannt worden. In Verbindung mit Kupfer in den sogenannten „Master-Alloys“ dient es schon lange für die Herstellung nichtfunkender Hämmer, die in der Industrie der Explosivstoffe und in der Erdölindustrie sehr geschätzt sind. Außerdem werden aus Berylliumlegierungen Federn hergestellt, die in der Uhren- und Motorenindustrie verwandt werden, und die praktisch ohne Ermüdung arbeiten. Die Welterzeugung an Beryllerz hat vor 1939 kaum mehr als 500 t im Jahr betragen und stieg auf 1786 t im Jahre 1948. Brasilien ist das wichtigste Erzeugerland. Daneben produzieren Südafrika, die USA, Argentinien, Australien, Portugiesisch-Ostafrika, Südwestafrika und Uganda geringere Mengen. Korea wird in den amerikanischen Statistiken, die als sehr zuverlässig gelten, überhaupt nicht erwähnt. – m.