Die Politik der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, die in Düsseldorf ihre diesjährige Delegiertenversammlung veranstaltete, gleicht dem Spiel mit mehreren Bällen, bei dem kein Ball fallen darf, weil sonst das Spiel aus ist. Die ökonomische wie soziale Mittlerfunktion und die stark differenzierte Struktur (Groß-, Mittel- und Kleinbetriebe) des Einzelhandels zwingt die Hauptgemeinschaft zu mancherlei Rücksichten auf aktuelle Strömungen. Die zur Zeit stärkste ist wohl die vom „Mittelstandsblock“ her in den Einzelhandel eindringende.

Das hat auch die Hauptgemeinschaft erkannt und ließ sich wenige Tage vor der Düsseldorfer Tagung von Bundeskanzler Dr. Adenauer bei einer Besprechung in Bonn der künftig stärkeren Berücksichtigung mittelständischer Einzelhandelsbelange durch die Regierung versichern. Wenn es daher trotz Opposition in Düsseldorf zur Wiederwahl des bisherigen Präsidiums der Hauptgemeinschaft, an seiner Spitze Hans Schmitz (Godesberg) MdB, kam, so darf man dies als Versuch werten, abwarten zu wollen, wie sich des Kanzlers Zusicherungen auswirken werden. Zwar hat der Delegiertentag. den Mittelstandsblock abgelehnt, was aber nicht bedeutet, daß die Hauptgemeinschaft bei ihrem früheren Entschluß, die Vokabel „Mittelstand“ möglichst nicht zu verwenden, geblieben wäre. Im Gegenteil: in Düsseldorf sprach man mehr von Mittelstand und Sicherung mittelständischer Betriebe, als es dem kritischen Beobachter recht sein konnte, weil er die frühere Aversion dagegen kannte. Hier wird jedenfalls deutlich, wie stark der Einzelhandel mit seiner bisherigen Politik des schiedlich-friedlichen Ausgleichs unter den Sozialpartnern zwischen die Blöcke geraten ist.

Die Situation ist in Düsseldorf noch einmal gerettet worden. Die Türen zu den Gewerkschaften und auch zum organisierten Mittelstandsblock wurden nicht zugeschlagen. Aber der Einzelhandel steht nun im Durchzug. Solange die Einzelhandelsgroßbetriebe mitmachen, ist es für die übrigen zu ertragen und die an sich wünschenswerte Berufseinheit der Hauptgemeinschaft bleibt erhalten. Die in Düsseldorf gerettete Situation hat ihre Vorteile sie sichert der Hauptgemeinschaft ihre bisherige Handlungsfreiheit auch für die Zukunft und bewahrt den Staat ohne Zweifel vor einer weiteren Verschärfung der Interessentenkonflikte. Dü.