Truman wollte einen Botschafter ernennen

Von Ernst Krüger

Es war am letzten Tag der Sitzungsperiode – schon waren die Mitglieder des 82. Kongresses im Aufbruch zu den Parlamentsferien –, da legte Präsident Truman ganz überraschend die Ernennung des Chefs der US-Bodentruppen, General Mark W. Clark, zum Botschafter der Vereinigten Staaten beim Vatikan vor. So sollten also die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan wiederaufgenommen werden, die im Jahre 1868 abgebrochen worden waren. Damals hat der Kongreß die zum Unterhalt der Gesandtschaft bei dem Kirchenstaat erforderlichen Gelder nicht mehr bewilligt.

Als Präsident Franklin D. Roosevelt im Jahre 1940 die Herstellung engerer Beziehungen zum Vatikan für erforderlich hielt, konnte er Myron C. Taylor nur als seinen persönlichen Vertreter mit dem Range eines Botschafters nach Rom entsenden, nicht aber als offiziellen Vertreter der Vereinigten Staaten. Nach Roosevelts Tod blieb Taylor weiterhin als persönlicher Vertreter Trumans beim Heiligen Stuhl, bis er im Januar 1950 auf eigenen Wunsch zurücktrat, ohne daß ein Nachfolger ernannt wurde.

Die amerikanische Verfassung erfordert die Zustimmung des Senats zu jeder vom Präsidenten vorgenommenen Ernennung eines Missionschefs. In diesem Falle aber kann erst im nächsten Jahr abgestimmt werden, weil vorher in beiden Häusern des Kongresses beschlossen werden müßte, daß die Bestimmungen eines Gesetzes aus dem Jahre 1870, wonach aktive Militärpersonen keine zivilen Ämter bekleiden dürfen, für den General Clark aufgehoben werden. Der Präsident hätte zwar sogleich die Möglichkeit gehabt – die spätere Zustimmung des Senats vorausgesetzt –, die Entsendung Clarks zum Vatikan zu verfügen, wenn der General seinen Abschied genommen hätte. Dazu aber konnte Clark sich nicht entschließen, da er offenbar hofft, eines Tages der Nachfolger des Generalstabschefs Collins zu werden.

Die Reaktion, welche die Ernennung eines Botschafters beim Vatikan in der amerikanischen Öffentlichkeit hervorgerufen hat, läßt erkennen, daß mit großer Wahrscheinlichkeit sich weder im Repräsentantenhaus noch im Senat eine Mehrheit für die Bestätigung Clarks finden wird. Der in Protesten von Geistlichen und Laien, in Kundgebungen, ja selbst in Drohungen zum Ausdruck kommende Sturm der Entrüstung in allen protestantischen Kirchen und Sekten mit ihren fünfzig Millionen Mitgliedern richtet sich dabei nicht gegen die Person des Protestanten Clark, sondern grundsätzlich gegen die Ernennung eines Botschafters beim Vatikan, in der ein Bruch des amerikanischen Grundsatzes der Trennung von Kirche und Staat erblickt wird. Selbst in katholischen Kreisen Amerikas wird diese Maßnahme gelegentlich kritisiert, obgleich sie wahrscheinlich grade im Hinblick auf die katholischen Wähler in den Großstädten, die Iren und Italiener, getroffen wurde. – Die Zahl der-politischen Beobachter in Washington, die an eine Kandidatur Trumans bei der nächsten Prsidentenwahl glauben, ist auf Grund dieser Ereignisse kleiner geworden,

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