André Maurois: Schule für Eheglück (Verlag der Europäischen Bücherei H. M. Hieronimi, Bonn, 239 S.).

In Amerika, wo alles in ein System gebracht wird, gibt es an manchen Universitäten Professoren für Ehefragen; hier werden die Studenten und Studentinnen methodisch unterwiesen, wie sie sich späterhin vor Ehekrisen bewahren können. André Maurois lernte in seinen amerikanischen Jahren diese für einen Franzosen besonders befremdliche Institution kennen und hat sie nun auf seine Art für die junge französische Intelligenzschicht nutzbar gemacht. Seine „Schule für Eheglück“ ist eine Hörszenenfolge, bei der ein höchst witziger Professor jeweils nach einer einleitenden kleinen Conference die jungen Eheleute eine Szene spielen läßt – einmal so, daß eine „Szene“ entsteht, und das nächste Mal wie es Klugheit und echte Liebe gebieten. Vom Heiratsantrag bis zur Silberhochzeit werden alle Stadien nach beiden Seiten durchexerziert, wobei die erfrischende Wirkung „goldener Rücksichtslosigkeiten“ nicht zu kurz kommt. Die klatschbasigen Freundinnen, die Verwandten, der große Verführer, der kleine Fehltritt – alles ist von Maurois mitbedacht und unnachahmlich pointiert. Die amerikanische Ehewissenschaft ist ganz und gar in französischen Charme übersetzt, und die Lektüre dieses funkischen Meisterwerkes ersetzt auf das amüsanteste das Studium vieler dickleibiger Broschüren. -nn.