Von Walther F. Kleffel

Nicht so, als ob wir ein überflüssiges Wort zum Lobe Heribert Meisels und seines Funkberichtes vom Fußball-Länderspiel Deutschland-Österreich beisteuern möchten. Wir meinen aber: Der Rundfunk sollte eine totale Umstellung im Hinblick auf den Sport vornehmen. Im NWDR ist die Gelegenheit jetzt besonders günstig. Dieser größte Rundfunkbetrieb Westdeutschlands hat sich für seinen Hamburger Sender einen neuen Intendanten „erwählt, einen Mann, der keine Angst vor Neuerungen hat.

Nach vielem Hin und Her ist man schon vor sehr langer Zeit zu der Ansicht gekommen, daß der Sportfunk drei Aufgaben zu erfüllen hat: Berichterstattung, Werbung, Unterricht. Betrachtet man aber die bisherige sportliche Programmgestaltung unserer Rundfunksender, dann sieht es so aus, als ob man bei den Intendanzen davon keine rechte Vorstellung hat. Bis heute scheinen die Sportreferenten der einzelnen Sender ihre Hauptaufgabe darin zu erblicken, möglichst oft als Reporter vor dem Mikrofon zu stehen, anstatt für eine vernünftige Programmgestaltung zu sorgen. Wenn sie ihre Hörer“ dann wenigstens noch mit schmissigen Reportagen erfreut hätten, könnte man sich mit diesem (an sich unhaltbaren) Zustande noch aussöhnen, aber leider war das nur selten der Fall. Die meisten Übertragungen erinnerten an die Urzeiten unseres Rundfunks, in denen noch nicht genügend geschulte Sprecher vorhanden waren.

Bei dem großen Interesse, das der Sport überall findet, muß sich der Rundfunk natürlich stark mit ihm beschäftigen. Da ein außerordentlich großer Prozentsatz der Hörerschaft so oder so im sportlichen Leben steht, kann er sich ihren Wünschen nicht verschließen. Sosehr aber der Funk auch Diener der Hörer sein soll – ihr Sklave darf er nimmer sein. Aus dem Diener muß und sollte besser ein Meister werden, der die Richtung weist und alles auf ein vernünftiges Maß zurückführt. Das heißt: Der Funk sollte eine sorgfältige Auswahl treffen und wirklich nur Berichte von solchen Sportereignissen senden, die wertvoll sind und vor allem das erzieherische Moment des Sports berücksichtigen. Bislang scheinen die Reportagen nur nach dem Gesichtspunkt ausgewählt; deutlicher gesagt: innerhalb des Interessenringes unserer Sportsprecher ausgehandelt worden zu sein, wie jeder einzelne Sprecher sich persönlich am vorteilhaftesten in den Vordergrund schieben kann. Ein unparteiischer, völlig objektiver Sportsachbearbeiter, der dem Intendanten für einwandfreie Sportsendungen verantwortlich ist, fehlt. So nötig wir gute Sportreporter haben, so sehr brauchen wir bei unseren Sendern auch phantasiebegabte und vielseitig gebildete Sportreferenten.

Mit ihnen könnte dann auch das zweite Aufgabengebiet des Sportfunks, die Werbung für den echten und unverdorbenen Sport, am besten durchgeführt werden. Noch sind die Leibesübungen in keiner Weise so sehr Allgemeingut des Volkes, daß jeder sich an Turnen und Sport aktiv beteiligt. Die hohen Zuschauerzahlen bei Fußballkämpfen oder Boxveranstaltungen täuschen da nur. Wenn die Funkreportagen gefällig und ideenreich sind, dienen sie der Werbung für den Sport am besten, und auch die reinen Nachrichtensendungen könnten diesem Zweck nutzbar gemacht werden. Der Berufssport darf nicht ein so starkes Übergewicht haben; der Amateursport muß dagegen viel mehr in den Vordergrund gerückt werden.

Was man immer wieder vermißt, sind gute Vorträge aus dem vielgestaltigen Betriebe des Sports. Sie dürften auch diejenigen Hörer fesseln, die sich sonst nicht sonderlich für den Sport begeistern,-besonders wenn die richtigen Männer an das Mikrofon geholt werden. Ärzte sollten den Wert der Leibesübungen für alle Menschen und alle Altersklassen unterstreichen, Sportführer von der Entwicklung des Sports berichten, Pädagogen, Politiker, Wirtschaftler, Künstler von der allgemeinen Bedeutung des Sports und des Turnens plaudern und zeigen, wie sehr beide in das Volksleben, in Handel, Politik, Wirtschaft, Kunst, Jugenderziehung, Industrie, hineingreifen und sich gegenseitig befruchten. So könnte man die Leibesübungen wahrhaft populär machen und sie vor allem auch von der Jagd nach Sensationen und einer billigen Effekthascherei befreien.

Den Unterricht sollte man nicht vergessen. Manche Menschen lachen noch immer über die Frühgymnastik. Und doch hat sie schon Unzähligen Gutes gestiftet. Auch das Kinderturnen sollte allgemein eingeführt werden; den Kriegsversehrten Wege weisen, wie sie sich durch Turnen und Sport wieder kräftigen können. Man sollte ferner versuchen, das Schulturnen und die Spielstunde in Stadt und Land zu beleben und abwechslungsreich zu gestalten. Gerade heute, wo noch mancherorts die geeigneten Lehrkräfte fehlen, könnte eine vom Rundfunk durchgeführte Turnstunde recht Nützliches leisten. Man könnte auch einen theoretischen Unterricht in den einzelnen Turn- und Sportarten abhalten könnte sozusagen eine funkische Sport-Volkshochschule schaffen, die fördernd und belehrend eingreift und die Arbeit unserer Turn- und Sportvereine und aller an der Volksgesundheit und besonders der Jugenderziehung interessierten Kreise unterstützt.