Wenn ein Staat Privateigentum beschlagnahmt, so ist das meist ein Geschäft mit doppeltem Boden. Einmal gewinnt er fremdes Vermögen, zum anderen erlangt er Gelegenheit, Pöstchen und Geschäftchen zu verteilen. Nicht umsonst sagten die Wiener, als es sich auch in ihrer Stadt um die berüchtigte „Arisierung“ handelte, die „Vermögensverkehrsstelle“ in der Strauchgasse sei die „Vermögensverzehrstelle in der Strauchdiebgasse“.

In den USA hat eine Abteilung im Justizministerium, Alien Property Office, die Aufgabe, das im Krieg beschlagnahmte Feindeigentum zu beaufsichtigen. Das ist in erster Linie deutsches Eigentum, und darunter befinden sich solche „Brocken“, wie die General Aniline und die General Dyestuffs, zwei große, miteinander verbundene Chemieproduktionen, die einen jährlichen Gewinn von rund sieben Millionen Dollar abwerfen, deren Wert man also auf hundert Millionen Dollar schätzen darf. Über ihr Schicksal machte jetzt Joseph Alsop in der New York Herald Tribune einige erleuchtende Mitteilungen, Danach warf der erste Chef des Alien Property Office schon im Kriege die Direktion der beiden Unternehmungen hinaus und setzte seine Freunde ein, darunter den Rechtsanwalt Louis A. Johnson, der als Präsident von General Dyestuffs von 1942 und 1947 ohne weitere Mühe ein Einkommen von jährlich 50 000 Dollar bezog. 1947 brauchte man für einen anderen Mann, der ebenso gute politische Beziehungen hatte und regelmäßig hohe Beiträge zu den Wahlfonds leistete, einen Posten. Dieser Mann hieß Jack Frye. Er war gerade aus feiner Präsidentschaft bei der Transcontinent und Western Air Cy. ausgeschieden und mußte einen neuen Posten haben. Sogleich trat Johnson zurück, und Jack Frye wurde mit einem Jahresgehalt von 97 000 Dollar Präsident der beiden beschlagnahmten deutschen Firmen. Natürlich war es jetzt wieder an Johnson, entschädigt zu werden. Das geschah, indem man Johnson zum General-Syndikus der beiden Firmen machte, von denen er 1948 insgesamt 92 000, 1948 rund 87 000 und 1950 etwa 84 000 Dollar Honorar bezog. Zwischendurch, und ohne daß dies Geschäft unterbrochen wurde, das auf den Namen seiner Rechtsanwaltsfirma weiterlief, war Johnson als Nachfolger Forrestals Verteidigungsminister in der Washingtoner Regierung, wo er durch eine Sparsamkeit in den Ausgaben für die amerikanische Wehrmacht glänzte, die er bei der Ausstellung seiner Honorarnoten an Dyestuffs und Aniline vermissen ließ. G.