DIE ZEIT

In der Strauchdiebgasse...

Wenn ein Staat Privateigentum beschlagnahmt, so ist das meist ein Geschäft mit doppeltem Boden. Einmal gewinnt er fremdes Vermögen, zum anderen erlangt er Gelegenheit, Pöstchen und Geschäftchen zu verteilen.

Stalin läßt in den Häfen streiken

In Taxis und Polizeiautos wurden Reservearbeiter in Hamburgs Hafen gefahren. Vor dem Bremer Rathaus kam es zu Demonstrationen, bei denen es Verletzungen und Verhaftungen hagelte.

Der alte Löwe erhebt sein Haupt

Blaßblauer Himmel, seidenweiche Luft und milder Sonnenschein über dem Trafalgar-Square ... Vielleicht ist es der Zauber dieser spätherbstlichen Tage, der den erregten Diskussionen über den Ausgang der Wahlen, über die ministeriellen Ernennungen und die zu erwartende neue Politik in dieser letzten Oktoberwoche einen so versönlichen Unterton gibt.

Ostgrenze und Einheit

Picrk, der Sowjetzonenpräsident, war soeben in Prag, um dort demonstrativ zu erklären, die Austreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei sei „unabänderlich und gerecht“ und die gegenwärtige Grenze „unabänderlich“.

Das große Wortgefecht um den Frieden

Es war ein guter Gedanke, Zagreb zum Tagungsort der Konferenz zu wählen, zu der das jugoslawische „Nationale Kommitee zur Verteidigung des Friedens“ die Freiheits- und Friedenskämpfer aus vierzehn Ländern eingeladen hatte.

Ein Hüter der Demokratie

So mühevoll die Wahlmänner über die Kandidaten für die Richterposten des Bundesverfassungsgerichts verhandelten – über den zum Präsidenten vorgeschlagenen Höpker-Aschoff waren sie sich schnell einig.

DIE WOCHE

Nach zweimonatiger Unterbrechung wurden In Korea die Waffenstillstandsverhandlungen wiederaufgenommen. Die Kommunisten lehnten die UNO-Vorschläge ab, die Demarkationslinie entlang der gegenwärtigen Front verlaufen zu lassen.

Der Kehler Hafenvertrag

Zwischen der Landesregierung von Südbaden und dem Präfekten von Straßburg, der für den Straßburger Hafen zuständig ist, wurde kürzlich ein Vertrag über ein Verwaltungsstatut für den Kehler Hafen abgeschlossen.

Steinstücken – ein Probefall

Es war der 24. Oktober 1950, an dem die Freiheitsglocke in Berlins Treuhänderschaft gegeben wurde. Es war der 24. Oktober 1951, also der Jahrestag, an dem Steinstücken, das die Volkspolizei fünf Tage zuvor besetzt hatte, wieder frei wurde.

Die Lust am Untergang

Da gab es einen, der auszog, das Fürchten zu lernen. „Das wird wohl eine Kunst sein, von der ich nichts verstehe“, meinte er.

Amerika und der Vatikan

Es war am letzten Tag der Sitzungsperiode – schon waren die Mitglieder des 82. Kongresses im Aufbruch zu den Parlamentsferien –, da legte Präsident Truman ganz überraschend die Ernennung des Chefs der US-Bodentruppen, General Mark W.

Gibt Eisenhower seine europäische Mission auf?

Die Leser der New York Herald Tribüne mögen gestutzt haben, als sie am Donnerstag ihr Blatt zur Hand nahmen. Die ihnen seit Jahrzehnten vertraute Zeitung sah plötzlich ganz anders aus.

Jeder Gedanke eine Realität

Es gibt dreierlei Formen, unter denen sich eine Metamorphose der Individuen und Rassen vollziehen kann: Abänderung durch Umwelt, Abänderung durch Kreuzung, durch Selbstveränderung; letzteres ist der sehr merkwürdige Vorgang der spontanen, sprunghaften, explosiven Entstehung neuer Merkmale.

Der friedfertige Fechter

Friedells großartiges Kulturgeschichtswerk erwuchs aus einer sehr besonderen, unnachahmbaren Lebensführung, von der hier der Verwalter des Friedellschen Nachlasses erzählt.

Mitglieder gesucht

Ich möchte einen Felicitas-Schönebeck-Club aufmachen und suche nun Mitglieder. Ich möchte Felicitas vor allem Unbill beschützen, die ihr in ihrer künftigen Laufbahn von bösen, neidischen, klatschsüchtigen Menschen zugefügt werden könnte.

Protektion

Als der Schulsenator der Stadt Hamburg noch nicht Kultursenator war, übergab er einer Hamburger Maler-, Graphiker- und Architektengruppe ein halbzerstörtes Schulgebäude.

Eine besondere Gelegenheit

Die Tür zum Kinderzimmer ging auf, und die Säuglingsschwester sagte mit der zuckersüßen Stimme, die sie brauchte, wenn sie zu kleinen Mädchen sprach: „Hier ist Tommy, Liebling; er wird dir alle seine Spielsachen zeigen.

Forsts wunderlicher Film

In einem kleinen Kreis wurde eines Tages über einen Taugenichts heftig hergezogen. Niemand ließ an ihm etwas Gutes. Allein eine liebenswürdige alte Dame, immer bereit auch an bösen Menschen gute Seiten zu sehen, wandte schließlich zu seiner Verteidigung ein: „Ihr habt vielleicht recht, aber immerhin hat er ein so schönes Klavier!“ Nun ist ein neuer Willi-Forst-Film angelaufen: „Es geschehen noch Wunder“.

Auf den Stein gezeichnet

Elsa, dite la belle Viennoise – genannt die schöne Wienerin –, schreitet im blauen, weiß mit Pelz verbrämten Cape die Treppe des Maison close herab und präsentiert sich in höchster Eleganz.

Unsere Auslandsvertretungen

Der Aufbau der diplomatischen und konsularischen Vertretungen der Bundesrepublik Deutschland ist jetzt soweit vollzogen, daß bisher acht Botschaften, drei Gesandtschaften, vierzehn Generalkonsulate, zwei Konsulate und eine „Politische Vertretung“ vorhanden sind.

75 Jahre Kupferhütte

Am 1. November feiern 3500 Menschen und einige hundert Gäste aus dem In- und Ausland den 75. Geburtstag der Duisburger Kupferhütte AG, Duisburg.

Der deutsche Beitrag

In Frankfurts Paulskirche wurde kürzlich einmal nicht der Geist von 1848, sondern der unserer Zeit beschworen; acht Referenten behandelten auf der Herbsttagung der „Wirtschaftspolitischen Gesellschaft von 1947“ die die Gegenwart verwirrende, aber die Zukunft bestimmende Problematik unter dem Leitwort „Der deutsche Beitrag: in Einigkeit“.

Soziale Kalkulation

Die bisherigen Methoden der vorwiegend staatlichen Sozialpolitik sind durch die tiefgreifenden gesellschaftlichen Umschichtungen der jüngsten Vergangenheit fragwürdig geworden.

Bundesbahn-Gesetz

Zu unsrer Glosse „Der letzte Sprung“ (erschienen in der Ausgabe vom 20. September), die sich kritisch mit dem Bundesbahngesetz und seinem „Hürdenlauf“ über die parlamentarische Bahn beschäftigte, erhalten wir nun, mu einiger Verspätung, eine Äußerung aus kompetenter Bonner Quelle.

Unternehmer-Aussprachen

Die Volkswirtschaftliche Gesellschaft, Hamburg, hält in zahlreichen Städten West- und Süddeutschlands die bereits im norddeutschen Raum bewährten Unternehmer-Aussprachen ab.

Schweiz: Deutsche unter Ausnahmerecht

Wer kann leugnen, daß wir seit Jahren allen deutschen Staatsangehörigen (mit dem Wohnsitz in Deutschland) ihr Besitztum in der Schweiz weggenommen und damit alle bisherigen Grundsätze über den Schutz des Privateigentums über Bord geworfen haben?“ „Wer kann leugnen, daß sehr viele dieser deutschen Staatsangehörigen wegsterben, bevor sie von der sagenhaften Entschädigung, die wir ihnen in Aussicht gestellt haben, auch nur einen Pfennig in die Hand bekommen?“ .

Als Gäste in Saloniki

Nach, einer Pause von 11 Jahren wurde jetzt wieder die Messe von Saloniki abgehalten. Sie war von 1926 bis Kriegsbeginn eine ständige Einrichtung und stand im Mittelpunkt des südosteuropäischen Wirtschaftsraumes, der bis nach Vorderasien und Ägypten reicht und vor allem den gesamten Balkan umfaßt.

Kanada zieht Kapital an

Kanadas erster diplomatischer Vertreter in Deutschland, Botschafter T. C. Davis, unternahm mit seinem Wirtschaftsreferenten Amman eine Informationsreise durch Westdeutschland.

Unternehmergeist im Kommunalbetrieb

Zwei gewichtige Motive gibt es, die den „unternehmerischen Antrieb“ da bilden, wo ein persönlicher Anteil am erzielten Erfolg entfällt: Die Freude am Werk und das Bewußtsein, verantwortlich zu wirken, ferner die Genugtuung darüber, daß (oder wenn.

„Rechtsbelehrung“ im VW-Prozeß

Im Volkswagen-Prozeß hat der erste Zivilsenat des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe auf die Revision der Volkswagensparer das klagabweisende Urteil des Oberlandesgerichts Celle vom Januar 1951 jetzt aufgehoben und den Rechtsstreit zu erneuter Verhandlung an das Oberlandesgericht Celle zurückverwiesen.

Männer und Mächte um Erdöl

Das heilige Feuer von Abadan – scheinbar seit hundert Jahren durch die Bohrtürme der Anglo-Iranian Oil Company ersetzt – ist in Wirklichkeit nur an jener Stelle – nicht aber in den Köpfen der Perser – verglüht.

Hie deutsch hie welsch

Meran, Ende Oktober In Prag“, so erzählte mir eine südtirolische Freundin, die lange als Angehörige der deutschen Minderheit in Böhmen gelebt hatte, „da habe ich selber gesehen, wie ein tschechischer Soldat einem vierjährigen Kinde den Schädel einschlug und es dann in die Moldau warf, nur weil es auf deutsch um Brot gefleht hatte.

Funk-Reportage nicht genügend

Nicht so, als ob wir ein überflüssiges Wort zum Lobe Heribert Meisels und seines Funkberichtes vom Fußball-Länderspiel Deutschland-Österreich beisteuern möchten.

Ins Zuchthaus mit den Frauen

In der psychiatrischen Klinik des berühmten Wiener Allgemeinen Krankenhauses befindet sich seit einigen Tagen ein junger Mann, ein Hilfsarbeiter von Beruf, über den sich ganz Wien den Kopf zerbricht.

Der Gewaltige

Der Satz, daß das System nicht mit den Menschen verwechselt werden darf, das Sowjetsystem also nicht mit dem russischen Volk – dieser Satz gilt gewiß nicht zum mindesten für Stalin.

Kaleidoskop 1951

Als notiere er unseren Puls, kaum daß dieser geschlagen, geht Wolfgang Koeppen bis ins Jahr 1951 in Front. Sein neuer Roman „Tauben im Gras“ ist, was die Aktualität betrifft, belletristisches Spitzenreitergut.

Das ganze Deutschland

Mit dem Siegeszug des Landschaftsgartens seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist der gezirkelte Stil der barocken Schloßgärten verdrängt worden.

Im Nullpunkt der Zeiten

Dies ist der erste Roman eines jungen, schon namhaften Essayisten, der sich in der Weltliteratur dieser Jahrzehnte gründlich umgesehen hat und die provinzielle Abgeschlossenheit des deutschen Nachkriegsromans überwinden möchte.

Fröhliche Wissenschaft

In Amerika, wo alles in ein System gebracht wird, gibt es an manchen Universitäten Professoren für Ehefragen; hier werden die Studenten und Studentinnen methodisch unterwiesen, wie sie sich späterhin vor Ehekrisen bewahren können.

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