In der psychiatrischen Klinik des berühmten Wiener Allgemeinen Krankenhauses befindet sich seit einigen Tagen ein junger Mann, ein Hilfsarbeiter von Beruf, über den sich ganz Wien den Kopf zerbricht. Die Reporter berichten, daß er einen intelligenten und nicht unsympathischen Eindruck macht. Unsympathisch sind aber die Ereignisse, die ihn jetzt, wenn ihm die Klinik keine ernste Geistesstörung bescheinigt, vor das Gericht bringen werden. Er scheint nicht viel Angst davor zu haben. Denn er weiß aus einer reichen Erfahrung, wie leicht Gerichte zu düpieren sind.

Die nicht nur kriminalistisch, sondern auch psychologisch interessante Eigenart dieses Fünfundzwanzigjährigen – er heißt Friedrich Karasek, wurde aber von Wiener Zeitungen mit etwas Pathos sogar „der Satan von Ottakring“ genannt – besteht darin, daß er so ziemlich jeden Menschen, mit dem er nähere Bekanntschaft macht, ins Zuchthaus bringt.

Vor fünf Jahren heiratete Karasek ein Mädchen namens Anna Hanke. Die Ehe war zuerst ganz gut, dann faßte Karasek für seine Schwägerin Hermine Hanke Interesse, nahm sie sogar ins Haus zu sich und seiner Frau. Eines Tages erhielt er ein Paket mit vergifteten Brötchen und einem Brief, der die Schriftzüge der Schwägerin zeigte. Karasek erstattete die Anzeige wegen Giftmordversuchs, der Justizapparat begann zu arbeiten und hörte nicht wieder auf, bis Hermine Hanke zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt – war. Ein Sachverständiger bestätigte, daß der Brief von ihrer Hand stammte. Hermine saß die vier Jahre ab, hinterher sagte sie, sie sei Karasek nicht böse und nun sei ja ohnehin alles vorbei. In der Verhandlung hatte sie alles gestanden, was der Staatsanwalt von ihr verlangte. Sie glaubte nämlich damals, daß ihre Schwester Anna den Giftmordversuch aus Eifersucht unternommen habe und wollte für ihre Schwester einstehen ...

Während Hermine noch in Untersuchungshaft war, begann Karasek eine Freundschaft mit einem anderen Mädchen, Ida Wollenstein. Aber schon einige Wochen, ehe der Hanke-Prozeß beendigt war, wurde dieses Mädchen unter der Beschuldigung verhaftet, Karasek mit Mord bedroht zu haben, falls er das Verhältnis mit ihr auflösen sollte. Dieses Mädchen leugnete hartnäckig, aber Karasek legte ihre Drohbriefe vor, ein Sachverständiger bestätigte die Echtheit der Briefe, Ergebnis: vier Monate Zuchthaus. Diesmal ließ Karasek es aber dabei nicht bewenden. Als Ida Wollenstein wieder frei war, zeigte er sie noch einmal mit der selben Beschuldigung an. Jetzt gab es wegen „Wiederholung“ sechs Monate.

Karasek, der inzwischen immerhin schon einmal einige Monate in einer psychiatrischen Klinik war, wovon allerdings die Gerichte keine Kenntnis nehmen mochten, befreundete sich inzwischen aufs neue mit einem Mädchen, Anna Schlotterbach. Dieses Mädchen wurde bald darauf zu zwei Jahren Zuchthaus wegen Erpressung, Verleumdung und Verleitung zum Diebstahl verurteilt. Anna Schlotterbach war geständig. Auch sie nahm Karasek nichts übel. Vielmehr heiratete sie ihn neunzehn Tage nach ihrer Entlassung aus dem Zuchthaus im Mai 1950. Diese Heirat erschwerte einigermaßen die Bemühungen der Polizei, Licht in diese dunkle Geschichte zu bringen, weil durch die Heirat die wichtige Zeugin Schlotterbach verschwunden war. Daß in der Wohnung Karaseks jetzt zwei Frauen seines Namens saßen, hatte die Kripo nicht vermutet.

Die Wiener Behörden stehen vor der schwierigen Aufgabe, alle die Fälle aufzuspüren, wo auf die Aussagen Karaseks hin Menschen von Wiener Gerichten verurteilt worden sind. Es scheint noch eine Anzahl kleinerer Fälle zu geben. So wurde zum Beispiel eine Frau Kainzmayer zu drei Tagen Gefängnis wegen Betruges verurteilt, weil Karasek behauptet hatte, er habe ihr für zwanzig Schilling eine junge Katze abgekauft, sie habe aber die Katze nicht geliefert. Alle diese Urteile werden jetzt aufgehoben und aus dem Strafregister getilgt. Nicht so leicht wird das Urteil getilgt werden können, daß sich die Wiener Bevölkerung im Anblick dieser Vorgänge über die Wiener Strafjustiz gebildet hat. F.

Programm stand, wurden auch die Volkstrachten verboten, die Musikkapellen aufgelöst. Keine Speisekarte durfte die Gerichte deutsch bezeichnen, kein Handwerker durfte sich auf dem Firmenschild auf gut deutsch Schuster, Schneider oder was immer nennen. Und schließlich kam es 1939 zu dem berüchtigten Vertrag zwischen Hitler und Mussolini, durch den die ganze Bevölkerung dieses uralten deutschen Landes vertrieben werden sollte. Nur der Ausbruch des Krieges hat seine Vollendung verhindert. Immerhin haben von 270 000 Südtirolern mehr als 70 000 die Heimat verlassen müssen. Einige tausend sind zwar. inzwischen zurückgewandert, aber die meisten der Vertriebenen leben immer noch recht elend in nordtirolischen und salzburgischen Flüchtlingslagern. An 15 000 Südtiroler wohnen in der Bundesrepublik.