Ich möchte einen Felicitas-Schönebeck-Club aufmachen und suche nun Mitglieder. Ich möchte Felicitas vor allem Unbill beschützen, die ihr in ihrer künftigen Laufbahn von bösen, neidischen, klatschsüchtigen Menschen zugefügt werden könnte. Felicitas will nämlich Schauspielerin werden. Felicitas ist sechzehn Jahre alt und wohnt genau über mir. Wenn sie abends rezitiert, verhalten sich mein Hund Schnauzi und ich ganz still. Wir schließen die Augen und weihen unsere Sinne der Kunst. Ach, sind das schöne Stunden.

Ich bin natürlich nicht von selbst auf die Idee gekommen, einen Felicitas-Schönebeck-Club zu gründen. Vielmehr habe ich erfahren, daß in Düsseldorf eine Dame, die kennenzulernen ich brenne, einen Vera-Molnar-Club gegründet hat: Ihr erstes Rundschreiben hat mich auf die Ungeheuerlichkeiten aufmerksam gemacht, denen die Filmschauspielerin Vera Molnar ausgesetzt ist und der auch meine Felicitas später ausgesetzt sein wird: Die Dame schreibt: „Glauben Sie bitte nicht, was man über Vera Molnar sagt... Es sind meistens völlig aus der Luft – gegriffene Sachen.“ Und ich erfahre, daß man die Vergangenheit der Künstlerin in den Zeitungen „verstellt hat“. Wenn ich auch zugeben muß, daß ich nicht recht weiß, was eine verstellte Vergangenheit ist; dessen bin ich gewiß: es muß sich um was ganz Gemeines handeln.

Ich habe Felicitas verständigt, daß ich einen Club gründen will, und sie ist gerührt und einverstanden. Mit meinem Freund Hugo Mengemann, den ich als erstes Mitglied werben wollte, habe ich allerdings Streit bekommen. Dieser völlig amusische Mensch gab mir zur Antwort, er werde dann demnächst einen Hugo-Mengemann-Club gründen. Da habe ich ihm aber meine Meinung gesagt: „Du hast gestern Gemüse verkauft“, habe ich gesagt, „und du wirst morgen Gemüse verkaufen. Wie kann man deine Vergangenheit verstellen? Vera Molnar aber hat gestern noch keine Filme gemacht und wird morgen vielleicht auch keine machen. Da gilt es den Ruf zu schützen.“

Ebenso kann es Felicitas ergehen. Schließlich rezitiert sie ja schon heute nicht mehr Tag und Nacht, wenn sie auch erst sechzehn ist. A. M.