Von unserem Berliner Korrespondenten

K. W. Berlin, Ende Oktober

Picrk, der Sowjetzonenpräsident, war soeben in Prag, um dort demonstrativ zu erklären, die Austreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei sei „unabänderlich und gerecht“ und die gegenwärtige Grenze „unabänderlich“. Gleich darauf fand in Ostberlin eine deutsch-polnische Veranstaltung statt, die dem Generalsekretär der SED, Ulbricht, Gelegenheit gab, Polens Forderung auf die Oder-Neiße-Grenze als gerecht und irreparabel zu bezeichnen.

Kein Zweifel, daß diese Demonstrationen gegenüber Warschau und Prag der Sowjetzonenregierung abgenötigt Wurden, um auf diese Weise den Eindruck der Berliner Rede Adenauers: zu einem vereinigten Deutschland müßten später auch die Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie gehören, abzuschwächen. Seit jener Rede nämlich war die propagandistische Unterstützung der kommunistischen Forderung nach der deutschen Einheit in den Satellitenländern. Moskaus sehr abgeflaut und schließlich ganz verstummt. Und als dann schließlich in der westlichen Presse sogar die Spekulation auftauchte, dem Kreml läge so viel an einem kommunistisch geeinigten Deutschland, daß er auf Kosten der östlichen Nachbarländer Grenzkonzessionen machen würde, da verlangten Warschau und Prag Aufklärung. Die Berlin-Pankow-Regierung hätteoffensichtlich die leidige Grenzfrage, bei ihrer Agitation für „gesamtdeutsche Beratungen“ ganz gern übergangen, aber gerade dies ist von den Nachbarländern der Sowjetzone ärgerlich vermerkt werden. Und wenn auch bei früheren. Gelegenheiten die SED-Regierung die Oder-Neiße-Linie als „endgültige Grenze“ anerkannt hatte, so haben Prag und Warschau doch verlangt, daß diese Versicherungen nach der Grotewohl-Aktion noch einmal wiederholt wurden.