Die bisherigen Methoden der vorwiegend staatlichen Sozialpolitik sind durch die tiefgreifenden gesellschaftlichen Umschichtungen der jüngsten Vergangenheit fragwürdig geworden. Die zum Bestandteil der betrieblichen Kosten- und Preisrechnung gewordenen Sozialbeiträge des Arbeitgebers erreichen schon längst nicht mehr die wirklich Hilfsbedürftigen. Die Vertriebenen, Kriegsbeschädigten, Pensionäre oder Rentenempfänger sind von den marktwirtschaftlichen Vorgängen abgetrennt, weil ihre finanzielle Leistungskraft zu gering ist. Um die Sozialpolitik den neuen Tatbeständen gerecht werden zu lassen, müßte eine den wirklich Hilfsbedürftigen zugute kommende Einkommens Verlagerung einsetzen, die aber an der steuerlichen Überbelastung der gesamten Wirtschaft scheitert. Eime sozial notwendige Korrektur der Einkommensverteilung mit steuerpolitischen Mitteln erscheint untragbar.

Die Korrektur muß also durch den Markt selbst erfolgen. Dies erbringt – wie Dr. Fritz Hellwig vom Deutschen Industrie-Institut auf einer gemeinsamen Tagung des Sozialwissenschaftlichen Arbeitskreises Köln, der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Partnerschaft und des Bergisch-Gladbacher Kreises in Königswinter erklärte – eine erhebliche Ausdehnung der Gesamtproduktion und somit ein erarbeitetes höheres Steueraufkommen. Wie Dr. Hellwig ferner ausführte, kann eine derartige Produktionssteigerung nur Aussicht auf Erfolg haben, wenn sich die Industrie bereit findet, eine „sozial kalkulierte Massenproduktion“ nach amerikanischem ein Muster (hohe Auflagen) aufzubauen. Dr. Hellwig bezeichnete diese Aufgabe als eine der wichtigsten Funktionen des modernen Unternehmers, der erkannt habe, wie notwendig eine echte sozialpolitische Unternehmerinitiative sei.

Wenn die Massenproduktion aber nach sozialen Gesichtspunkten kalkuliert werden soll, so bedeutet dies, daß die Unternehmer für ihre Kalkulation gewisse, das eigenbetriebliche Gewinnstreben mildernde Übereinkünfte treffen müßten. Hier wird aber die Nähe zur umstrittenen Kartellfrage deutlich. Ferner wird eine sozial kalkulierte Massenfertigung der wichtigsten Gebrauchsgüter eine Standardisierung erfordern. Solange z. B. 135 verschiedene Modelle von Küchenherden am Markt sind, ist das Problem nicht gelöst, wenngleich es auch mit dem beachtenswerten Vorschlag Dr. Hellwigs erneut in die Diskussion gebracht wurde. Dü.