Nach vielerlei literarischen Abwandlungen erscheint das Märchen von dem französischen Ritter Blaubart nun auch auf der Leinwand. Der martialische Herr der Grafschaft Salvere hat nacheinander sechs Frauen gehabt, die er, wie die Fama ängstlich flüstert, sämtlich tötete, weil ihre Neugier sie an der Tücke einer Prüfungsaufgabe scheitern ließ. Erst nach der Heirat seiner siebten Frau Aline erfüllt sich sein Schicksal. Der Film der deutsch-französischen Gemeinschaftsproduktion Alcina-Ala bringt eine neue Variante dieser Fabel. Hier ist der gefürchtete Blaubart der Ruhmredner seiner eigenen Ungeheuerlichkeit, der das Schicksal seiner Frauen als parodistische Moritat zum Besten gibt, bis ihn die harmlose Naivität von Aline entwaffnet, da sie entdeckt, daß alle ihre Vorgängerinnen noch lebendig sind.

Hans Albers beweist als Blaubart erneut, wie gut es tut, wenn Stars aus ihrer Schablone herausgehen dürfen. Sein Spiel hat nichts mehr von ,,Hoppla, jetzt komm ich“, sondern ist überzeugende Gestaltung einer prächtigen Rolle, in der er seinem Kollegen aus der französischen Version, Pierre Brasseur, in nichts nachsteht. Wirkungsvoll kontrastiert zu ihm die eigenartige Mischung von kindlich-unberührtem und doch weiblichem Reiz der munteren Cécile Aubry. leren lustiger deutscher Akzent einen weiteren Effekt macht. Aus der Fülle der Mitwirkenden ist noch Fritz Kortner er zu nennen, dessen Haushofmeister das eigentliche böse Ich des Ritters ist. Ungewöhnlich ist die Leistung, die der Regisseur Cristian-Jaque mit dem „Blaubart“ vollbrachte. Die äußere Handlung des Films überhöht er in die Bezirke einer grandiosen Ironie, in die er ein wahres Feuerwerk geistvoller Einfälle hineinprasseln läßt. Überdies weiß Cristian-Jaque, ursprünglich Bühnenbildner, mit der Farbe umzugehen (kombiniertes Verfahren von Agfacolor und Gevaert) und gibt eine Ahnung davon, welche ungenutzten künstlerischen Möglichkeiten sich dadurch bieten. Ein Vergleich der deutschen und der französischen Fassung ergibt schließlich, mit wieviel Geschick beide der Mentalität ihres Publikums angepaßt sind. (Deutsche Uraufführung Turmpalast Frankfurt a. M.) Werner Schwier

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Dieter Borsche, bis zu dem Film „Dr. Holl“ In die immer engere Schablone bleichsüchtigen Edelmutes gezwängt, hat in einem harmlosheiteren und endlich einmal liebenswerten Unterhaltungsfilm „Fanfaren der Liebe“ (Waterloo Hamburg) Gelegenheit, sich von einer ganz anderen Seite zu zeigen: komisch, übermütig, lebensvoll. In witzigen Verwandlungskünsten – als Zigeuner, als Neger einer Jazzband und in einer Damenkapelle als überraschend schöne Klavierspielerin mit einem Garbogesicht – bewährt er sich nicht nur neben dem Komiker Georg Thomalla, sondern überhöht mit seinem Charme und seiner Wärme den Ulk, der nur Kurzschluß ist.

Kurt Hoffmann, einer unserer besten Filmregisseure, serviert diesen Verkleidungsspaß nicht nur mit dem notwendigen Takt, sondern er hat die leichte Hand, einen Wirbel hübscher Einfälle zu entfesseln. In erfrischende Fröhlichkeit versetzt, übersieht man dabei gern, daß die Handlung bis zum Ende kaum ausreicht, auch nicht das Können der Damenkapelle (mit Grethe Weiser, die auf die große Pauke hauen darf).

EM